Donnerstag, 30. Dezember 2010

Hobbythek im Hause E.

Wer, wie ich mit dem Fernsehprogramm der 90er Jahre aufgewachsen ist, wird sich sicher an die überaus spaßige Sitcom mit Tim Taylor, dem Heimwerkerking erinnern. Tim Allen in seiner Paraderolle als technikbesessenes, grunzendes und mäßig handwerklich begabtes Machotier, immer auf der Suche nach Dingen, die am Haus, im Garten oder am Auto größenwahnsinnig ausgebaut oder verbessert werden könnten.

Nach unser mittlerweile halbjährigen Umbauphase, wobei die alten Handwerkerhasen über diesen Zeitraum wohl nur müde lächeln können, habe ich den absoluten Durchblick, wie es zur Entstehung dieser amüsanten Vorabendprogrammgestaltung kommen konnte:


Die übers Ohr gehauene Frau eines passionierten Hobby-Bastel-Künstlers hatte die Schnauze voll und schrieb kurzerhand ein Drehbuch, welches wie eine Bombe einschlug. Die Leute hatten nicht nur Mitleid mit ihr. Ganz im Gegenteil, die gute Frau hatte die Lacher auf ihrer Seite und die Programmchefs die Dollar-Zeichen in den Augen. Die Einschaltquoten würden nur so in die Höhe schießen! Auf der anderen Seite bekam sie aber auch unmissverständlich ihr Beileid von den Menschen ausgesprochen, die ähnliche Probleme zu Hause hatten oder noch immer haben. Ich glaube es gab 4 Staffeln und wenn er nicht in Rente wäre, dann würde er noch immer versuchen... Lassen wir das. Zurück zu meinem Programm...


Was soll ich sagen? Mir geht es doch auch so. Und dabei habe ich noch nicht mal einen Heimwerkerking, sondern nur ein billiges Ein-Euro-Kraft-Double mit Bäckerausbildung im Haus! Mit dem Titel: „1000 Dinge, die bei der Selbstinstallation eines 4 qm großen Badezimmers schief gehen könnten. Ein Leid-Faden!“ schreibe ich die Fortsetzung, die 5. Staffel, des Heimwerker-Kings. Das Buch dazu, passend für alle Hobbygärtner und Berufsspezialisten. Nicht nur mit praktischen Tipps, wie man farbenblind, die drei verschieden farbigen Gummiummantelungen der Elektroleitungen auseinander hält und ohne fließend Wasser eine passable Gips-Mischung anrührt. Nein, bei mir gibt es auch die besten Durchhalteparolen für genervte und frustrierte Ehefrauen. Dazu eine genaue Auflistung von undichten Stellen, gutgemeinten Ratschlägen, die auf jeden Fall ignoriert werden müssen und natürlich eine Listen mit den 10 schmutzigsten Baustellenwitzen.

Dazu gibt es einen Extra-Teil mit Fotos von ausdruckslosen, wenig emotionalen Gesichtsausdrücken für die gestressten Ehefrauen. Vor dem Spiegel können diese Ausdrücke dann geübt werden, damit die Männer das wahre Ausmaß ihrer handwerklichen Misere nicht gleich am „Ich habe es dir doch vorher gesagt“-Blick erkennen. Auch ein kleiner Exkurs in Sachen Partnerschaft und Beziehungspflege wird in diesem Buch genau erläutert. Wie überlebe ich eine Ehe mit einer Frau, die ständig in das unfertige Badezimmer guckt und anfängt zu heulen... Ich fang dann gleich mal an zu schreiben!!!

Als "Wutbürger" durch das winterliche Straßenchaos

Mit dem viel zu verfrühten Eintreffen der Schneemassen in unseren gemäßigten Breitengraden, fror auch jeglicher Verstand in den Köpfen der Menschen ein. Die fehlende Umsicht, die mangelnde Weitsicht und die unverfrorene Selbstsucht der hiesigen Mitmenschen macht mich glatt zum „Wutbürger“. Und damit stehe ich nicht allein da, denn dieses Wort wurde 2010 zum „Wort des Jahres“ gekürt. Nur der eigentliche Hintergrund dazu ist bei mir etwas verschoben: Statt „Stuttgart 21“ haben wir „Winter in Iserlohn 2010“!

Und was mich dabei wütend macht, ist die Tatsache, dass völlig anständige, rechtschaffene Mitbürger zu gemeinen Verkehrsrowdies werden. Unbeirrt werden die Verkehrsregeln ignoriert, mit Füßen getreten und schlechtweg in den verschneiten Ecken liegen gelassen. Die schlimmsten Übeltäter sind in der Generation 60+ zu finden. Streng nach dem Motto „Wer war wohl eher da?“ gelten für Rentner und solche, die sich dafür halten, ganz andere Maßstäbe und Regeln. Sie bremsen grundanständige Autofahrer am Berg aus, so dass diese den Weg im Rückwärtsgang zurücklegen müssen. Sie laufen dir mit ihrem Gehwägelchen vors Auto und fühlen sich von der unverschämten Jugend noch bedroht. Dabei wäre die Ampel keine 10 Meter entfernt gewesen, die sogar auf Knopfdruck von Rot auf Grün schaltet... Aber nein, die Herrschaften müssen ja hier, ja, genau hier an dieser Stelle die Straße überqueren...

Ein anderer Tatort, jedoch das gleiche Prinzip: Absolute Ignoranz auf Seiten der Fußgänger! Ich fahre auf schneeglatter Fahrbahn die Straße entlang, es dämmert bereits, die ersten Laternen glänzen mit hellem Schein. Von Weitem erkenne ich eine junge Mutter, die rechts und links jeweils ein Kind an der Hand hält und Anstalten macht, die Straße zu überqueren. Als verständnisvolles Muttertier lass ich die junge Frau am Straßenrand natürlich rüber. Das ist doch selbstverständlich! Was ich allerdings nicht wusste und niemals für möglich gehalten hätte: Die Gute hatte gar nicht vor ÜBER die Straße zu gehen. Nein! Sie stöckelte mit ihren Sechs-Zentimeter-Pfennigabsätzen die geräumte Fahrbahn entlang, die Kinder im Schlepptau und hielt damit den gesamten Verkehr auf. Selbst, als ich vorsichtig den Motor aufhusten ließ, fühlte sie sich in ihrer Ruhe überhaupt nicht gestört. (Wirklich, es war nur ganz vorsichtig! Wer weiß, nachher hüpft sie mir vor Schreck noch auf die Motorhaube und hängt mir ein gebrochenes oder verstauchtes Fußgelenk an den Hals...Nach den Punkten vom Wetzlarer Kreuz kann ich mir das nicht erlauben!) Sie blickte sich kurz um, schüttelte den Kopf und stakste weiter die geräumte Straße entlang. Was soll man dazu sagen? Hinter mir ein Chaos aus hupenden, nervösen Autofahrern, vor mir die Dame mit unpassender Beschuhung, die sich die Füße nicht nass machen wollte...

Schlimmer sind eigentlich nur noch die Autofahrer, die mitten auf der vereisten Fahrbahn stehen bleiben, in zweiter Reihe parkend ein Brief in den Briefkasten schmeißen und in einer Seelenruhe wieder in ihr Fahrzeug steigen, ohne sich über die angestaute Schlange im Rückspiegel Gedanken zu machen.


Und da soll man nicht zum „Wutbürger“ werden!!! Grrr...

Weihnachten – Besinnlich und Beschaulich. Keineswegs!

Weihnachten. Herbeigesehnt und doch gefürchtet. Nun war es da, auch in diesem Jahr wieder unerwartet und schneller als gedacht. Und doch, hatte es in diesem Jahr einen etwas anderen Beigeschmack als sonst.

Wir haben uns dem inneren Kind ergeben und es mal so richtig krachen lassen: Zuerst gab es Schminktipps und aufopfernde Hilfe unserer Großen bei Stylingfragen, dazu dann Hasenbraten batteriebetrieben. Modebewusst und perfekt gestylt konnten wir mit dem Jüngsten in Wohnzimmianien Aufbauhilfe der dortigen Eisenbahnanlage leisten. Diese wurde nämlich regelmäßig von Playmobil-Piraten angegriffen. So lieferte sich die Besatzung der Duplo-Eisenbahn ein aufregendes Seegefecht auf dem Wohnzimmerteppich mit dem nagelneuen Piratenschiff. Der Kapitän wollte ursprünglich in die Badewanne mit dem Schiff, denn für Überlandfahrten war so eine Flotte doch gar nicht geeignet. Allerdings hatte sein Kreuzer Rollen unterm Bug, was anfangs für Aufregung und Beinahe-Tränen sorgte.

Der darauffolgende Schlittenrennwettbewerb auf der Hundewiese hat die Kinder mürbe gemacht. Wir nennen diesen Hügel eigentlich nur Hundewiese, weil sich hier ab und zu ein Hund-Halter-Gespann verläuft. In der Regel grasen hier gemächlich die Schafe von Bauer Gurke, weshalb der Berg eher Schafsberg oder Köttelwiese genannt werden sollte. Aber jetzt unter einem halben Meter Schnee sind auch die Schafsköttel völlig uninteressant, jetzt zählt nur der Berg, wie schnell der Schlitten abflitzt und wer das Ding dann wieder hoch zieht...


Zum Glück ging dann endlich um 19:30 Uhr das Licht aus. Aufatmen bei den Eltern. Denn die frische Luft, andauernde Seegefechte und das quieken des Batteriehasen haben ihre Spuren hinterlassen. Gähnende Müdigkeit macht sich auf der Couch breit.


Was läuft gleich im Weihnachtsprogramm? „Stirb langsam Teil 3“. Na, wenn es denn sein muss und sonst nichts Anderes läuft... Dann zum 10. Mal Bruce in Action... Moment, ging da nicht eben eine Tür? Ich glaub, da kommt Einer. Doch, ich hab die Tür gehört... Da steht der Till im Schlafanzug. Der schlafwandelt doch nicht... Bist du wach? „Ja! Was kommt im Fernsehen?“ Beide Elternteile gucken sich verdutzt an. Ähm, das ist jetzt aber ein Traum, oder? Von wegen, Traum! Der Kerl hat sich hellwach aufs Sofa gesetzt, Papas Schokoriegel verspeist und bekam in regelmäßigen Abständen, wenn es gar zu blutig wurde, die Augen zugehalten. Zumindest haben wir für unser Mittelkind schon eine Geschenkidee fürs nächste Weihnachtsfest: Die DVD-Box mit allen 4 Stirb-Langsam-Teilen.

Samstag, 18. Dezember 2010

Steht vor der Tür und will hinein: Der vierte Advent

Alle Jahre wieder... und doch steht der 4. Advent wieder völlig überraschend vor der Tür. Unvorbereitet öffnete sie ihm die Tür. In ihrem beigen Bademantel wirkte sie etwas plump neben dem Adventssonntag. Wie konnte das passieren? In Gedanken ging sie noch einmal die letzten 50 Wochen dieses Jahres ab. Die Kaffeetasse in den zittrigen Fingern haltend, setzte sie sich in ihren bequemen alten Ohrensessel und überflog das Jahr 2010. Ein Schicksalsjahr. Wie so viele vorher auch. Doch in diesem ist besonders viel passiert.

Alles begann mit einer eitrigen Mandelentzündung am 01.01. diesen Jahres. Es konnte einfach nur in die Hose gehen, wenn die ersten Stunden des neuen Jahres mit Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost einhergehen. Der Geburtstag ihres Sohnes musste wegen geringem Interesse der restlichen Familienbande abgesagt werden, was weitere Ereignisse vorausahnen ließ. Doch sie verschloss die Augen vor diesen Dingen, so wie sie jetzt dem 4. Advent keinerlei Beachtung schenkte. Es stand noch immer in der Tür, erwartete vielleicht, dass sie sich ihm endlich widmete, die letzte Kerze anzündete und ihm damit ein Willkommensgruß darbrachte. Doch nichts dergleichen geschah. Frau E. Saß versteinert in ihrem Sessel und hatte die Augen geschlossen. Veränderungen. Ja, die waren nötig gewesen. Und sie kamen auch, nicht so wie sich Frau E. Es dachte, aber sie kamen. Und sie waren entscheidend für den Rest ihres Lebens.

In der Mitte des Jahres hatten sich nicht nur die Wohnverhältnisse zum Besseren gewandt, sondern auch die Wogen im Familienzwist etwas geglättet. Allerdings nicht auf allen Seiten, denn das Schlachtschiff stand noch immer vor Anker im Hafen und richtete seinen Kanonen auf die Stadt. Jegliche Schutzmaßnahmen waren sinnlos, denn die Bedrohung war immer sichtbar. Jeder, der den Hafen sah, erkannte die drohende Gefahr. Auch wer längere Zeit nicht im Hafen war, das kanonenbeladene Schiff nicht vor Augen hatte, bekam es doch mit der Angst zu tun, wenn etwas von ihm aus weiter Ferne zu hören war, etwa ein Grollen, ein Pfeifen oder Quietschen. Selbst die Matrosen auf ihrem Landgang machten den Menschen in der Stadt unendliche Angst. Diese verwandelte sich mit der Zeit in Zorn, Wut und Hass, doch immer die Bedrohung im Hinterkopf.

Ein Lichtblick erschien am Horizont. Doch so schnell er auch kam, war er wieder verschwunden. Es war einfach kein Jahr für Lichtblicke! Mal das ein oder andere Flackern, aber Licht? Doch, jetzt, wo sie darüber nachdachte, gab es doch ein wenig Licht im Dunkeln. Wie schnell vergisst man all die schönen Erinnerungen, wenn schwere Ereignisse den Alltag überschatten. All die kleinen Freuden, ein Lächeln, der erste Wackelzahn und die gut überstandene Operation, werden von den schlechten Gedanken in den Hintergrund gedrückt. Dabei hatte sie Grund zum Danken! Wie viel Dank ist in den letzten Wochen einfach unter den Tisch gefallen? Nicht beachtet, so wie jetzt der 4. Advent. Dabei redeten die Kinder seit Wochen von nichts Anderem mehr. Es ist ihnen wichtig. Sie hatten es besonders hervorgehoben und es wurde von Frau E. fast völlig ignoriert.

Dieses Gefühl, was Weihnachten eigentlich auslösen sollte: Plätzchen backen, Familienfreuden, Freunde einladen und gemeinsam Weihnachtslieder singen sowie den Baum schmücken. So wie es früher war. In ihrer eigenen Kindheit. Voll Heimlichkeit, duftend und besonders. Der Gang über den Weihnachtsmarkt, der erste Schnee und die bunten leuchtenden Lichter der Kinderfahrgeschäfte, dazu ein Glas Glühwein und der verlockende Geruch einer Thüringer Rostbratwurst im Brötchen... Das weckt Erinnerungen. Warum eigentlich kann die Zeit im Advent nicht so verlaufen? Frau E. öffnete die Augen und sah in Richtung Tür, wo sie den 4. Advent hatte stehen lassen. Es sah traurig aus, müde und irgendwie gar nicht so, wie man sich einen Adventssonntag so vorstellte. Klar, die Kleidung war ordentlich gebürstet, das Haar zurückgekämmt und der Mund sauber gewaschen. Doch die Augen, sie hatten keinen Glanz, so wie das Leben der Frau E. „Warte hier“, sagte sie, als sie apubt aufsprang. „Ich zieh mir nur etwas Anderes an. Dann können wir los!“

Samstag, 11. Dezember 2010

Mein frauenfeindlicher Küchenherd

Nichts habe ich mir im Sommer mehr gewünscht, als dass nach wochenlanger Koch-Abstinenz, dem zurückgreifen auf Fast-Food und Dosenfutter, endlich mein neuer Herd angeschlossen würde. Ich erwartete diesen Tag mit Spannung und mit kindlicher Freude. Nun, es dauerte nicht lange und ich wünschte mir den Zwei-Platten-Campingkocher auf meiner Terasse zurück, denn mein neuer Herd spielte ganz gewaltig verrückt.

Ich gehe sogar soweit zu sagen, es handelt sich hierbei um einen frauenfeindlichen Küchenherd. Wie ich darauf komme? Ganz einfach, sobald ich mich mehr als zehn Sekunden gegen ihn lehne, fängt er an zu piepen! Und das ist kein normales Piepen, nein, es dröhnt und säuselt so lange, bis ich nicht mehr an ihm lehne... So als würde er mir sagen wollen: "In dieser Küche wird gearbeitet! Hör auf rumzustehen und koche deinem Mann gefälligst ein ordentliches Mittagessen!!!"

Alice Schwarzer würden die Haare zu Berge stehen, wenn sie von diesem Herd wüsste. Wenn ich mich recht entsinne, hat der Verkäufer meinem Göttergatten wild zugezwinkert, als er sich nach den Vorteilen des hiesigen Herdes erkundigte. Er könne alles, Umluft, Grill und (zwinker, zwinker) die Arbeit erleichtern. Damit war nicht meine Arbeit gemeint, sondern die Kontrollfunktion der Ehemänner, die dann nicht immer vom Fernseher aufstehen müssten, um zu sehen, ob ihre Frauen auch noch ordentlich arbeiten!!! Schweinerei, das!

Was kommt als Nächstes? Der vollautomatische Wäschschrank, der schlecht gefaltene und miserabel gebügelte Hemden wieder rausschmeißt? Oder gar ein Telefon, was sich nach vier Minuten Dauereinsatz von selbst abschaltet?

Oh, Welt...

Rebellion auf dem Rücksitz

Eine Autofahrt mit Kindern ist meist spannend und lustig. Die Betonung liegt auf meist, denn in der Regel ist es mit drei Kindern auf der Rücksitzbank anstrengend, nervenaufreibend und laut. Wer erinnert sich nicht gern an die Werbung, wo die Eltern zwischen den Kindern im hinteren Teil des Autos und sich selbst eine Scheibe hochfahren können, um so dem Gelärme der Mitreisenden zu entkommen.

So eine Scheibe brauche ich auch!!!

Das Resultat dieser kindlichen Autofahr - Rebellion kam mir vor wenigen Wochen ins Haus geflattert. Ein hübscher Brief vom Regierungspräsidium Kassel. Eigentlich mag ich es, Post zu bekommen. An Post von irgendwelchen Regierungsstellen, Stadtverwaltungen ect. war ich seit dem Umzug eigentlich gewöhnt. Aber was wollte bloß das Regierungspräsidium Kassel von mir? Nichtsahnend machte nicht ich, sondern mein Göttergatte den Brief auf. Er war ja schließlich für ihn! Nichtssagend legte er mir DiesenJenenWelchen mit einem breiten Grinsen vor die Nase. Da war ein nettes Foto von mir abgebildet. Gut, ich war nicht wirklich gut getroffen, sah etwas füllig aus, verträumt vielleicht, ähm leicht abwesend sogar... ich weiß es nicht! Na ja, das Ende vom Lied: Ich wurde geblitz, gefilmt, überführt... Ich bin schuldig!

Als ich den Wisch vor mir liegen sah, fiel es mir wieder ein. Es war kurz nach dem Gambacher Kreuz, vorbei am schönen Butzbach ("Mama, hier waren wir schon mal! Wer wohnt hier noch mal? Mama, Mama, Maaammmaaa...") und dirket hinter dem Kreuz Wetzlar standen sie: Und ich dachte noch... und im nächsten Moment war es schon zu spät. "Mama, was war das Licht?" tönte es vom Rücksitz. "Äh, ich glaube, ich bin gerade geblitzt worden", meinte ich meine Stimme aus weiter Ferne zu hören. "Oh" sagten drei dünne Stimmchen hinter mir, dann fuhren sie aber in ihrer üblichen Lautstärke fort: "Kinder Musik!" "Nein, Papas Musik!" "Ich würde gern die Nachrichten hören", meinte ich leicht genervt. "Wir wollen aber Papas Musik!" Alles, nur nicht Papas Musik!!!

Nach diesem Schock auf der Autobahn brauchte ich Gitarren, Schlagzeugsolos und dröhnende Bässe, nicht die Popper-Schnulzen-Baladen von Michael Jackson. Allerdings stand ich mit meinem Wunsch allein da und Ruhe auf der Rückbank kehrte erst nach dem Intro von "Billy Jean" ein. Vor mir lagen noch fast 200 km...

Meine Assoziation zum assoziativen Schreiben

Wer weiß was das ist bekommt gleich zu Beginn 100 Gummipunkte. Ich konnte es mir denken und als es sich bestätigte, standen mir die Haare zu Berge!

Ich kann so etwas nicht. Mir fällt nie etwas ein. Ich bin darin der totale Versager...

Ok, für alle die es nicht wissen: Assoziatives Schreiben bedeutet im weitesten Sinne, das aufzuschreiben, was einem ohne zu überlegen, sofort und unmittelbar zu einem bestimmten Wort, einem Satz einfällt. Das klingt eigentlich ganz leicht und für die sechs anderen Teilnehmer unserer kleinen "Strickrunde" scheint dies auch kein Problem zu sein. Warum dann bei mir?

Ich, als Texterin habe normalerweise keine Probleme damit fünfmal die Wortgruppe "Urlaub mit Hund in der Sächsischen Schweiz" in einem 250-Worte Text unterzubringen. Allerdings bereitete es mir Schwierigkeiten inerhalb von 15 Minuten aus den fünf Lieblingsworten meiner linken Leidensgenossin einen brauchbaren Text zu schreiben. Oder fällt euch spontan zu "Seele, Auge, Baum, Götter und Geister" etwas Nützliches ein???

Zu solchen Begriffen habe ich keine Assoziationen. Auch nicht zu dem Satz: "Wenn ich der Nikolaus wäre, dann..." (na ja, mir ist doch was eingefallen, soll ich mal vorlesen?)

"Wenn ich der Nikolaus wäre, dann hätte ich gern einen grünen Mantel. Rot ist schon lange out und grün ist doch auch eine schöne Farbe. Die Bäume sind grün, das Gras auf den Wiesen. Grüne Wiesen erinnern mich an den Sommer, an Spaziergänge durch den Wald, an Vogelgesang und an das Leben. 'Grün beruhigt und fördert das Denkvermögen', so begründete unser Leher damals in der Schule die hässlichen kakifarbenden Wände in den Klassenzimmern."

Ich hör' lieber auf, das geht gar nicht! Die anderen Texte waren so schön... Nikolauskritisch, weihnachtlich, besinnlich... Gut, zum Warmschreiben geht's vielleicht noch.

Montag, 6. Dezember 2010

Schnee -Text für Anfänger

Hier kommt nun das Ergebnis meiner kreativen Woche:

Zwischen einer wirklich niedlichen Bärengeschichte, die von einem Teddy handelte, der verzweifelt im Schaufenster saß und auf jemanden wartete, der ihn für Weihnachten kauft und einer außergewöhnlichen Betrachtung eines Adventskalenders, welcher die Hauptperson in ein zauberhaftes Märchenland entführte, stand nun meine Schneegeschichte...

Die Überschrift war quasi der Arbeitstitel, denn immer wenn ich aus dem Fenster sah, sah ich genau das...

Schneegestöber


Sie schaute aus dem Fenster in den ersten Schnee und dachte wehmütig zurück an den ersten Sommer in Spanien, als ihr Freund Lasse fröhlich pfeifend mit zwei Flugtickets in der Hand das Zimmer betrat. „Rate, was ich hier in der Hand habe?“ Eva verdrehte die Augen. In drei Wochen war Weihnachten. Und wie jedes Jahr würden sie zu seinen Eltern nach Stockholm fliegen und sich über die Feiertage den Hintern in der schwedischen Kälte abfrieren. Eva erwartete dann bei ihrer Rückkehr ins gemäßigte deutsche Klima am 2. Januar wie in jedem Jahr eine fette Mandelentzündung, hervorgerufen durch eingefrorene Füße und schneegekühlte sonstige Körperteile.

Eva betrachtete die fröhlich durch die Luft tanzenden Flocken und seufzte einen leisen, aber durchaus hörbaren Seufzer. Schnee in Deutschland, bedeutete noch viel mehr Schnee in Schweden! Und sie mochte keinen Schnee. Aber sie liebte Lasse, seit sie ihm in Spanien vor zehn Jahren das erste Mal begegnet war. Er war ein kühner, blauäugiger Wikinger mit strohblondem Haar und einem unheimlich schnuckeligen Akzent. Eva und ihre Freundin Paulina waren damals die ersten deutschen Austauschstudenten an der Universität von Madrid. Sie lernten Lasse und Giovanni, einen deutschen Italiener an der Uni kennen und waren für die nächsten sechs Monate unzertrennlich.

Dann musste Giovanni zurück nach Stuttgart und Paulina war am Rande der Verzweiflung, bis sie eines Morgens auf gepackten Koffern saß und Eva feierlich verkündete: „Ich halte es keine Sekunde länger ohne ihn aus. Ich fliege noch heute Nachmittag zurück und dann sehen wir weiter.“ Vor Schreck ließ Eva ihre Kaffeetasse fallen. Diese zersprang in tausend Scherben und die milchbraune Flüssigkeit verteilte sich an den Wänden und über den kalten Steinfußboden. „Du willst ihm hinterher?“ fragte sie ungläubig. „Ja. Ich liebe ihn.“ „Liebt er dich denn auch?“ Paulina zuckte mit den Schultern. Zur selben Zeit war auch Lasse endlich aus dem Bett gekrochen, rieb sich verschlafen die Augen und trat barfüßig in die Scherben der zersprungenen Kaffeetasse. „Aua. Was ist denn hier los?“ fragte er genervt und rieb sich seinen linken Fuß, während er auf dem Rechten hüpfend balancierte. „Paulina will Giovanni hinterher fliegen!“ donnerte Eva los und schüttelte verwirrt den Kopf. „Ja, ich weiß... Was? Was guckst du mich so an? Ich fahre sie doch nachher zum Flughafen.“ Lasse war völlig entspannt und bis auf sein schmerzverzerrtes Gesicht zeigte er keinerlei Gefühlsregung. Eva kochte. „Und das sagt ihr mir jetzt? Tolle Freunde seid ihr!“ Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging polternd zurück ins Zimmer. Paulina wollte zurück nach Deutschland, Lasse hatte kein Vertrauen zu ihr und Eva würde bald mutterseelenallein in diesem wunderschönen, warmen Land herum sitzen und sich darüber ärgern, dass Paulina so doof war.

Aber Paulina war gar nicht doof, wie sich später herausstellte. Sie war einfach total irre verliebt und Giovanni war es auch. Er holte sie damals sogar vom Flughafen ab, nahm sie mit zu sich nach Hause und machte ihr noch in der ersten Woche ihres Wiedersehens einen Heiratsantrag. Allerdings fand er das Klima in Deutschland nur mäßig berauschend, so dass er sich, samt Kleinstfamilie in seiner Heimat Sizilien als Maler niederließ. Hier war zehn von zwölf Monaten im Jahr Sommer. Es war warm, sonnig, das Wasser angenehm temperiert und es gab keinen Schnee. Eva seufzte wieder! Es gab keinen Schnee auf Sizilien.

Mit einem Seitenblick beobachtete sie ihren Freund Lasse. Er war ihr zur Liebe nach Deutschland gezogen, hatte sich hier einen Job besorgt und versuchte sich in die Mentalität des hiesigen Volkes einzufinden. Zum Glück gab es IKEA und den jährlichen Besuch bei seiner Familie in Stockholm. Eigentlich hatte Lasse für sie alles ihm Wichtige aufgegeben: seine Familie, seine Heimat, Eisangeln und Schlittenhunderennen. Dagegen war Evas Opfer sehr gering. Sie dachte an Paulina, die ihr im September ihre erste Stricksockenkollektion für den Winterurlaub geschickt hatte. Außerdem würde sie dafür in Sizilien bei Sage und Schreibe 26° Celsius keinen Abnehmer finden. Eva im kalten Deutschland dagegen, konnte die Socken im September schon gut gebrauchen...

Das Schneegestöber draußen vor dem Fenster wurde immer heftiger. Die Flocken tanzten durch die Luft und verschlossen dem Beobachter den Blick hinaus auf die Straße. Eva drehte sich langsam zu Lasse um, sah ihm fest in die Augen und nahm ihren ganzen Mut zusammen als sie sagte: „Ich hatte eigentlich darauf gehofft, wir würden Paulina und Giovanni diesen Winter mal besuchen. Wir hatten doch davon gesprochen.“ „Wen meinst du?“ fragte Lasse betont gelangweilt. „Ach, hör auf! Du weißt genau wen ich meine!“ „Aber wir fahren doch über Weihnachten immer zu meinen Eltern.“ „Ja, genau. Wir fahren immer zu deinen Eltern. Jedes Jahr! Können wir denn nicht mal im Sommer dort hin fahren?“ „Aber dann liegt dort kein Schnee!“ „Lasse, bleib bitte bei der Sache. Also, ich werde nicht mitkommen!“

Als Eva es ausgesprochen hatte, tat es ihr schon wieder leid. Sie wollte ihn nicht verletzen, aber sie war so schrecklich enttäuscht. Sie war sauer und aufgebracht, weil er ihr nicht zugehört hatte, als sie diesen Wunsch geäußert hatte, in diesem Jahr über die Feiertage nach Sizilien zu fliegen. Lasse ging langsam auf Eva zu, die Flugtickets noch in der Hand. „Wenn du nicht mitkommst, wird Paulina bestimmt traurig sein.“ Eva horchte auf. „Paulina? Kommen sie etwa mit nach Stockholm?“ fragte sie irritiert. Lasse schüttelte den Kopf. Manchmal dachte sie einfach zu kompliziert. „Nein, Süße. Eigentlich wollte ich dich am Flughafen überraschen, aber ich konnte mich vorhin nicht zurück halten. Hier!“ Er hielt ihr die Tickets entgegen und Eva konnte vor Schreck noch gar nicht richtig lesen. Da stand tatsächlich „Frankfurt-Palermo“ drauf. Eva schaute erst auf Lasse, dann noch einmal auf die Flugtickets, ob sich womöglich Palermo nicht doch noch in Stockholm verwandelt hatte und dann fiel sie Lasse schluchzend um den Hals. „Freust du dich?“ fragte er und Eva beantwortete seine Frage mit einem Kuss.

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