Mittwoch, 11. August 2010

"Ich nehme... ein Eisbein."

Wie soll sich ein Mensch in dieser überdimensionierten Farblandschaft der unterschiedlichen Baumärkte nur zurecht finden? Und dass auch noch, bei einer nicht sehr ausgeprägten Entscheidungsfreude... So stehe ich nun vor der entsetzlichen Aufgabe unsere neu gewonnenen Quadratmeter mit Farbe zu füllen, um die Wohnqualität einer Fünf-Köpfigen Familie zu steigern und dabei jedem seine eigene Freiheit zu lassen. Unsere Kinder sind sich einig: Die Wände müssten bunt mit Blumen, Schmetterlingen, Prinzessinen und Power Rangers verziehrt werden. Gut, dass auch wir Elterntiere dabei ein Wörtchen mitzureden haben. Das Problem ist mein holder Göttergatte, der mir mit den Worten: "Du kannst ja die Farbe aussuchen" die alleinige Verantwortung für dieses Mammutprojekt übertragen hat. Nun ist mein Liebster aber auch nicht mit Allem zufrieden, rümpft bei dem einen Vorschlag die Nase, zuckt bei dem Anderen nur mit den Schultern. Und was soll ich jetzt davon halten?

Ich träume ja nachts schon von wild durcheinander tanzenden Farben, die sich von ihren Farbpaletten lösen und gemein grinsend durch die Zimmer schweben... Und da wäre noch ein winziges Problem, was die Entscheidung für die richtige Farbe in den Zimmern noch etwas erschwert. Ich bin von Geburt an mit einer gewissen Unentschlossenheit ausgestattet. Wenn ich mich zwischen mehr als Zwei Dingen entscheiden muss, bekomme ich einen Kurzschluss! Dann raucht mir der Kopf und meine Hände zittern und ich entscheide mich grundsätzlich für das Falsche!!!

Ein Beispiel, bei dem ich diesem Geburtsfehler alle Ehre gemacht habe:

Es war Sommer, die Sonne schien heiß und unerbittlich auf unsere Köpfe hinunter und schrecklicher Durst quälte uns auf dem Weg durch die verwinkelten Markstände. Ich habe zum ersten Mal den Mann mit nach Hause gebracht, der eigentlich die Rolle des Vaters meiner Kinder einnahmen sollte, in der freudigen Erwartung, meine Eltern würden ihn genauso mögen wie ich. Sie mochen ihn auch und luden uns an diesem besagten, heißen Tag zum Essen ein. So weit, so gut. Wir kamen schnell zum Sitzen, ein kühles Wasser löschte den Durst und erleichterte so die Auswahl der Speisen. Es ist sehr interessant, aber ich kann heute noch genau sagen, was meine Eltern an diesem Tag bestellt haben. Warum? Weil sie das immer bestellen, egal wo sie Essen gehen. Mein Vater ordert Zeit seines Lebens Schweineschnitzel nach Art des Wieners mit Pommes Frites und Zitronenscheibe, dazu Salat, den er gnädig meiner Mutter überlässt. Meine Mutter hasst es in den eigenen vier Wänden Schweineschnitzel zu braten, weil dann die ganze Wohnung so stinkt und so darf Vater sich jedes Mal ein Schnitzel bestellen. Die Dame des Hauses ist da schon wählerischer: Entweder isst sie Fisch oder Hähnchenbrust. Eins der beiden Gerichte kommt bei ihr immer auf den Tisch. Mein neuer Freund, saß bisher teilnahmlos am Tisch und vergrub seine Nase in der Karte. Zu guter Letzt nahm er dann auch das Schweineschnitzel, um meinem Vater zu imponieren und ihm seinen "erlesenen" Geschmack vorzugaukeln (nehme ich jetzt einfach mal an, vielleicht mochte er aber auch wirklich genau an diesem Tag so ein ... na, egal). Alle legten zufrieden ihre Menükarten zur Seite, als die nette Bedienung mit dem pechschwarzem Haar und dem auffällig getönten pinkfarbenden Ponny an unseren Tisch kam. Bis dahin habe ich die Karte mehrmals von vorne nach hinten durchgeblättert, ohne auch nur im Geringsten wahrzunehmen, was da eigentlich alles so drauf stand. Auf die Vorspeise verzichtete ich besser, weil mein Magen, dem eines Spatzes glich. Ich suchte nach etwas Essbarem, dass weniger gewöhnlich war als Kohlrouladen, Schnitzel oder Hähnchenbrust in Sahnesoße. Jetzt hatte ich die Karte schon wieder durchgeblättert und die freundlich lächelnde Frau stand plötzlich an unserem Tisch: "Was darfs denn sein?" Meine Panik stieg, als die ersten drei Personen ihre Bestellungen abgaben, ohne mit der Wimper zu zucken. "Und?" Alles guckte mich an, mein Puls stieg, meine Hände, die sich an der braunen Menükarte festgeklammert hatten, begannen unangenehm feucht zu werden. "Ich weiß noch nicht so recht..." "Na, dann überlegen se mal." Und schwups, war sie wieder weg. Aufschub! Aber das Problem blieb. Und wenige Minuten, aber unzählige Gekankensprünge meinerseits, später, kam sie erneut an den Tisch und frage: "Und? Ham se sich entschieden?" Eigentlich nicht! dachte ich, flog aber mit meinen Augen noch einmal über die Karte. "Ich nehme..." Hähnchenbrust... Schnitzel... Kohlrouladen... Seelachsfilet mit Kräuterkruste... "ein Eisbein!" Klapp, die Karte zu und fertig aus. Alles guckte mich entgeistert an. "Hast du schon mal Eisbein gegessen?" fragte meine Mutter etwas entsetzt. Ich schüttelte den Kopf. "Nööö. Aber einmal muss ich es ja probieren!"

Hat schon mal jemand ein Eisbein mit Sauerkraut in Hochsommer bei 35 Grad im Schatten verspeist? Nein?! Ich schon.

So ein "Eisbein" habe ich gerade für unser Wohnzimmer ausgesucht...

Sonntag, 1. August 2010

Mein neues Hobby: Garten-Unkraut-Kompost

Vor gar nicht all zu langer Zeit hat mir doch eine gute Freundin nahe gelegt, ich solle mir ein neues Hobby zulegen. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie sie zu diesem Schluss gekommen ist, denn ich kann nicht behaupten, dass ich als Mutter von drei Kleinkindern, als Hausfrau, nicht zu vergessen als Sekretärin für meinen Göttergatten und als freiberufliche Autorin, einen Mangel an beruflicher und arbeitsorientierter Entfaltung habe.

Aber, um dich zu beruhigen, liebe Freundin: Ich habe ein neues Hobby. Und das ist etwa 400 qm groß, hat massig viel Rasen drumherum und einen nicht außer Acht zu lassenden Anteil an muskelkaterverursachendem Unkraut. Wettertechnisch haben wir hier im Sauerland eine 50:50 Chance auf Regen, was das unsinnige Kraut im Garten noch ein bisschen besser wachsen lässt. Vereinzelte Wutausbrüche über im Boden tief verankerte, von den vorher teuer bezahlten Gärtnern einfach übersehenen Wurzelstrünke versüßen mir den Nachmittag in sengender Hitze. Auch habe ich mittlerweile die Fähigkeit entwicktelt, das Unkraut beim Wachsen zu beobachten... Das geht echt ab...

Die neuen Spielgefährten unserer Kinder im Garten heißen jetzt auch nicht mehr Jonas, Lara oder Benjamin, sondern Regenwurm, Kellerassel und Ohrenkneifer!!! Sie haben einen Heidenspaß die Dinger aus der Erde zu ziehen, ihnen kleine niedliche Wohnungen einzurichten oder sie im Wassereimer zu ertränken... (Vergesst den letzten Satz... niemals werden bei uns Tiere ertränkt!!!)

Und mein neustes Spielgerät ist ein Komposter! Ja, es lebe die Zeit der Mülltrennung!!! Ich wollte schon immer so ein stinkendes Ding für Bio-Müll im Garten haben. Der erste Grünschnitt landete in der 450 l Tonne und mit ihm eine Reihe obdachloser Regenwürmer, die unsere Kurzen aus dem frisch bepflanzten Blumenbeet zogen. Die Bartnelken und Margariten lagen traurig mit den Wurzeln nach oben im Beet, während verzweifelt um ihr Leben kämpfende Regenwürmer, in der Fachsprache aus Lumbricidae genannt, versuchten schnell das Weite zu suchen. Aber die Kleinen, bewaffnet mit Gießkanne und Kinderschaufel gaben keine Ruhe, bevor auch nicht der letzte Wurm der Kompost-Vereinigung zugeführt wurde. Auf das der Humus wachse... und Mama ihre Ruhe hat, beim Unkraut vernichten!!!

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