Freitag, 30. Juli 2010

Elternratgeber adieu!!!

Da stehe ich heute nichtsahnend in der Buchhandlung und sehe dort genau das Buch, was ich eigentlich schreiben wollte:

"Kinderkacke: Das ehrliche Elternbuch" von Thomas Lindemann und Julia Heilmann

Auf so ein Buch hat die Generation gefrusteter Eltern gewartet (ach ja, ich vergaß... Gefrustete Eltern gibt es ja gar nicht... also, auf das nur ich gewartet habe...) Endlich spricht mal jemand ehrlich an, dass Kinder auch mal nerven und auch mal doof sind und das eigene Leben total auf den Kopf stellen und das danach nichts mehr so ist wie früher (wirklich nichts, obwohl das nicht nur negativ gemeint ist). Find ich jetzt aber ganz schön Sch...lecht, dass dieses Buch schon geschrieben wurde. Endlich rechnte mal jemand ab mit diesen Eltern, die angeblich nichts erschüttern kann, denen kein Kindergeschrei laut genug sein kann, denen klebrige, matschige und verschmierte Fensterscheiben und Fernsehbildschirme nur ein müdes Lächeln abringen, die nebenbei die Kleidung ihrer Kindern selber nähen und stricken, dazu noch biologisch wertvoll kochen können, ihre Pflanzen im Garten selber anbauen und das Brot für dien halbe Nachbarschaft selber backen...

Dazu die schlauen Sprüche aus den noch schlaueren Elternratgebern, die ich fast alle ausprobiert habe und die in nächster Zukunft in den Kamin wandern, sobald die Außentemperaturen eine warme Wohnung rechtfertigen! Arrrg...

Ich habe das Buch noch nicht gekauft, weil ich es ja eigentlich selber schreiben wollte. Aber vielleicht hole ich es mir morgen. Als Wochenendlektüre.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Nachtrag (etwa 2 Jahre später): Ich habe jetzt tatsächlich einen Elternratgeber geschrieben! Gut, er handelt nicht von Kindergeschrei und sonstigen Attakten, nein, es ist ein sehr seriöser Ratgeber zur Einschulung.

"Endlich ein Schulkind" - Ratgeber für Eltern von Vorschulkindern und Schulanfängern
Als eBook bei Amazon für 2,68 Euro und bald auch als Taschenbuch.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Ich sehe was, was du nicht siehst...

"... und das ist klein. Und manchmal ist es auch groß. Es ist braun mit weiß, hat Federn und lebt auf einem Baum." "Ein Eichhörnchen!" "Nein, das hat doch keine Federn." "Ein Hase." "Nein, nein, nein. Versuch es noch mal!" "Ein Schmetterling?" "Doch kein Schmetterling!" "Ich weiß es nicht, sagst du es mir?" "Es ist ein Eisbär-Indianer-Tier!" "Neeeeiiiin, das geht doch gar nicht! Stimmts, Mama, es gibt keine Eisbär-Indianer-Tiere!" Mit entsetztem Miene erklärt mir meine Fünfjährige, dass es solche Tiere überhaupt nicht geben kann. Und überhaupt, ihr kleiner Bruder hätte keine Ahnung und wäre sowieso noch ein Baby! "Gaaaaar niiiicht, stimmts?" Ich schüttele den Kopf. "Da siehst du es, Mama hat gesagt es gibt Eisbär-Indianer-Tiere!" Habe ich das? Ich habe aber eigentlich gemeint, dass unser Mittelkind kein Baby mehr ist... Ups, schon wieder in die Ich-will-nicht-schlafen-Falle getreten, mitten hinein und die Diskussion war im Gange, so wie jeden Abend.

"Du hast keine Lust auf Stress am Abend!" rede ich mir ein und setze ein freundlich gequältes Lächeln auf, damit sie nicht merken, dass ich mich wieder einmal selbst ins Abseits gestellt habe. "Also ich habe davon gehört, dass diese Indianer-Eisbär-Tiger hier im Iserlohner Stadtwald schon einmal gesehen wurden!" "Gar nicht!" protestiert meine Große. "Es gibt nur Hirsche und Hasen im Wald." "Dann hast du also schon einmal einen Hirsch im Wald gesehen?" "Bambi ist ein Hirsch!" Ach ja, das wieder. Ich vergesse doch immer wieder, dass bei Fünfjährigen der Sinn für Realität und Fiktion noch nicht vollständig ausgebildet ist. NICHT DRAUF EINGEHEN, NICHT DRAUF EINGEHEN höre ich meine innere Stimme in den schrillsten Tönen rufen. "Aber Bambi..." Nein, diesmal höre ich besser auf meine Stimme. Ich habe noch einen Berg Bügelwäsche und eine halb ausgeräumte Spülmaschine, die sich bereits von mir vernachlässigt fühlen.

Mittwoch, 21. Juli 2010

"Meine Cousine Rachel" von Daphne Du Murier

Nie wäre ich auf die Idee gekommen, Daphne Du Murier zu lesen, bis mich dieses Buch aus einer der Kisten förmlich ansprang. Mein zur Zeit sehr eingeschränktes Langzeitgedächtnis (obwohl, beim Kurzzeitgedächtnis sieht es auch nicht besser aus...)klickerte langsam, aber geräuschvoll vorwärts. Der Name der Schriftstellerin kam mir seltsam bekannt vor: "Daphne Du Murier, Daphne Du Murier", säuselte ich langsam vor mich hin und schob diesen Namen von einer Ecke meines klapprigen muffigen Gedächtnisschrankes in die andere. Plötzlich kam mir der rettende Gedanke, denn kürzlich habe ich von meiner Nachbarin einen ganzen Stapel "Schundromane" bekommen, die ich an eine Tante Väterlicherseits abgeben sollte, damit diese ihre langweiligen Abende nicht immer nur vor dem Fernseher verbringen müsse. Da ich der armen alten Tante aber nicht zumuten konnte, irgendwelchen Schrott zu lesen, musste ich vorher mal antesten... Und in einem eben dieser Romane fühlte sich die Hauptfigur mit einer Romanheldin von Daphne Du Murier sehr verbunden. Komischer Gedanke.

Leider habe ich von der guten Frau noch kein einziges Buch gelesen, obwohl sie für ihre schriftstellerischen Leistungen sogar in den Adelsstand erhoben wurde. Aber ich habe jetzt mit "Meine Cousine Rachel" angefangen, denn das ist dieses besagte Buch von Daphne Du Murier. Scheint ganz nett zu sein, denn es geht angeblich um eine betörend schöne, aber eiskalt berechnende Mörderin, die kurz nach der Hochzeit in Florenz ihren Ehemann ermordet haben soll. Oder war sie es doch nicht? Ich werde es bald wissen und dann aufklären.

Dienstag, 20. Juli 2010

Tizian macht's möglich

Bei der Überlegung, welches Buch diese kleine Serie beginnen soll, musste ich nicht lange überlegen. Ein dünner unscheinbarer weißer Einband mit dem berühmten "Dogen Francesco Venier" von Tiziano Vecellio lag oben auf einer der beiden Bananenkisten und starrte mich mit seinen alten Augen aus einem hageren Gesicht an. In einer schwarzen Sprechblase formulierten sich die Wörter "Tizian macht's möglich". Mein Interesse war geweckt, erkannte ich doch das Bild des berühmten Künstlers und auch der Begriff Tizian war mir bekannt. Und doch stellt sich mir die Frage, was eine 97jährige Frau mit solch einem Buch angestellt hat. Welchen Humor muss sie bessen haben?


Ich zitiere einige Teile des Vorworts aus dem Buch der "Konsumenten", wie S. Sattelschlepper, der Verfasser, sein Publikum selbst liebevoll betitelt:

"Jene halten stets den Tiger im Geist des Weines versteckt, birkeln mit weiteweltduftender Waschkraft wie der lichte Tag, sind auf allen Straßen aus Erfahrung gut... und manchmal wissen sie sogar das Puschkin ein echter Dichter ist..."

Ein Buch für Konsumenten also, mit einer recht großen Portion Humor, gewagt, aber sehr unterhaltsam. Die klassischen Kunstwerke wurden in keinster Weise verschandelt. Ihre eigentliche Aussage wird durch die Reklamesprüche unter den Bildern nur etwas (bis ganz schön doll) abgewandelt. Und weil es so schön ist, wurden die Sprüche viersprachig aufgeführt, damit auch die Briten, Franzosen und die Russen über unsere deutschen Werbesprüche lachen können...

Ich habe einfach mal eine kleine Auswahl an Bildern zusammengestellt. In dem netten kleinen Bildband sind etwa 60 Kunstwerke durch Werbesprüche verfeinert worden. Da dieses Buch aus dem Jahre 1967 stammt, sind die Sprüche nicht mehr so ganz aktuell, verfehlen aber in keinem Fall ihre Wirkung.

1. Mein absoluter Favourit:
Antonio del Pollaiuolo (1429-1498), David mit dem Haupte des Goliath



"Im Falle eines Falles, klebt Uhu wirklich alles."

2. Dann, etwas makaber:
Edouard Manet (1832 - 1883), Die Erschießung des Kaiser Maximilians



"Hoffentlich Allianz versichert."


3. Jetzt vielleicht noch etwas aktuelles:
Albrecht Dürer (1471-1528), Ritter, Tod und Teufel



"Fahr lieber mit der Bundesbahn"


4. Und zum Schluss noch etwas Nettes:
Anselm Feuerbach (1828-1898), Hafis am Brunnen



"Frag den Mann von Mannesmann."


5. Einen habe ich noch: Jan van Eyck (1390-1441), Vermählung des Giovanni Arnolfini




"Schappi, damit's ein Prachtkerl wird."

Ich habe wirklich gesucht, aber dieses Buch ist nicht mehr auffindbar. Echt Schade. Vielleicht sollte es eine Neuauflage geben. Werbung haben wir ja genug...

Montag, 19. Juli 2010

Die beste Ausrede gesucht

Die Lieblingsausrede meines Mannes, nebenbei bemerkt, er ist Lehrer und hat einen ganzen Katalog an Ausreden zur Hand, die er regelmäßig nach Popularität bei der Schülerschaft ordnet, ist:

"Ich wollte es machen, bin aber nicht dazu gekommen."

Dieser Satz geht immer, egal, ob es sich dabei um vergessene Hausaufgaben handelt oder, wie in meinem Fall, um das Nichterledigen der Hausarbeit.

Nichts hasse ich mehr als Aufräumen oder Putzen. Bevor ich mit so einer nebensächlichen Arbeit beginne, mache ich tausend andere Dinge. Etwa Kinderbücher der Größe nach ordnen oder vor dem Spiegel stehen und Falten zählen. Manchmal mache ich aber auch ganz nützliche Dinge, oft zusammen mit den Kindern, etwa Fensterbilder basteln oder das Abendessen vorbereiten. Das die Küche nach dem Zubereiten einer köstlichen Mahlzeit nicht wie die aus dem Katalog aussieht, ist doch ganz logisch...

Und wenn ich über unserem Bastelnachmittag die Wäsche in der Wäschtrommel vergessen, dann kann ich doch gar nichts dafür! Ach, dabei fällt mir ein, ich habe heute wieder den Flur nicht geputzt, obwohl ich eigentlich dran bin. Ich wollte ja, aber dann habe ich angefangen meinen Schrank nach Klamotten für die Altkleidersammlung zu durchsuchen und dann war es auch schon wieder so spät, der Kleine ist aufgewacht und die Großen wollten raus. Und da bin ich einfach nicht mehr zu gekommen. Aber morgen.

Das Vermächtnis der alten Dame

Vor gar nicht all zu langer Zeit, in einem Land der tausend Möglichkeiten (solange die Rechnungen immer bezahlt werden) ging ein niedliches kleines Häuschen in unseren Besitz über...

Nach Abzug der Kosten und in Anbetracht der ständig ins Haus flatternden Rechnungen, sieht das ganze Projekt jetzt nicht mehr ganz so rosig aus, wie damals. Als wir mit unserer rosaroten Brille durch die süßen kleinen Zimmer schritten und voller Verzücken die blumigen Tapeten, sowie die altmodischen Gardinen im Stil des Gelsenkirchener Barock bewunderten.

Davon ab, unser Heim besitzt ein enormes Potential.
Den Charme einer alten Dame, die langsam in die Jahre gekommen ist, sich jedoch vor dem jungen Gemüse nicht verstecken muss. Mit seiner antiquarischen Ausstrahlung und dem, trotz seines Alters, lebendigen Stil werden wir jeden Tag neu überrascht.

Und genau in diesem alten charmanten Haus standen SIE. Das Vermächtnis der Vorbesitzerin, abzugeben in gute Hände. Und welche Hände wären wohl besser geeignet, als meine??? Vertrauensvoll zurückgelassen in einem dunklen Kellerregal, in einem Keller voller Schätze aus grauer Vorzeit, in welchem sich der leicht muffige Geruch alter Leute mit dem Neuen langsam vermischt. Lange Rede, kurzer Sinn: Dort standen zwei Bananenkisten voller Bücher...

Als ich die Kisten kurz durchwühlte, entdeckte ich neben einigen Klassikern von Hemmingway, einem Homer und eingien Daphne du Murier. Darüber hinaus seltene Literatur, einige Magazine und wunderschöne Bildbände mit Schwarz-Weiß-Fotografie aus den 60er Jahren.

Diesen Schatz will ich in der nächsten Zeit gern mit euch teilen, indem ich jeden Tag ein anderes Buch vorstellen und genau unter die Lupe nehmen möchte. Ich werde die alle lesen... ich weiß nur noch nicht wann!!!

Dienstag, 13. Juli 2010

Es wird ernst!!!

Benno und Billy mussten heute das Haus verlassen. Damit sind jetzt nicht unsere Kinder gemeint, die auf Grund schlechten Benehmens bei den Nachbarn einziehen mussten, wie ich es immer androhe... Nein, Billy ist unser heißgeliebtes Bücherregal und Benno sein kleinerer Bruder, ein CD-Regal aus dem gelb-blauen Schwedenshop. Na ja, und nun ist die Zeit gekommen. Der Abschied fiel schwer, aber er ist ja nicht für lange. Nun werden sich die Beiden in der neuen Wohnung schon etwas einleben, bevor wir hinterher ziehen können.

Aber: Was weg ist, ist weg. Und steht nicht mehr im Weg. Sie fehlen mir... Es sieht so leer aus. Die kahlen weißen Wände gähnen mich an und die fehlenden Regale an den Wänden haben dunkle Abdrücke auf der Tapete hinterlassen. Da, wo einst das Leben in voller Pracht blühte, gähnt jetzt eine kalte, kahle Leere. Von den Zimmerdecken lassen die losen Kabelschlangen traurig ihre kupferfarbenden Köpfe hängen und warten nur darauf endlich zuschnappen zu können.

Auch die großen nackten Fensterscheiben glotzen mich trotzig an und werfen mir ihren, durch Fettfinger verschleierten Blick entgegen. Ein leiser Ton aus meinem Mund verhallt in den kahlen Ecken. Es riecht nach Abschied...

Dienstag, 6. Juli 2010

Gedanken zum internationalen Tag des Kusses am 6. Juli

Am heutigen internationalen Tag des Kusses hätte ich am liebsten den Radiomoderator von JAM FN abgeknutscht!

Warum? Er hat mich quasi gerettet. Um 9:31 Uhr kam im Radio (Das Ding habe ich eigentlich nie an, weil ständig Kindermusik läuft...) die Warunung vor einem dramatischen LKW-Unfall zwischen "Rehren" und "Bad Eilsen" auf der A2 Richtung Dortmund mit dem Hinweis doch bitte der U44 zu folgen. Nur Sekunden später erscheint die besagte Ausfahrt und somit haben wir uns eine unglückliche Totalsperrung der Autobahn über mehrere Stunden bis 14 Uhr ersparrt.

DANKE

Warum mich das so glücklich stimmt? Die Zeit des Wartens wäre für mich und die nörgelnde, meckernde und lautstark opponierende Meute auf dem Rücksitz zur Hölle geworden. Von den drei DVDs für das kindliche Unterhaltungsprogramm war unglücklicherweise eine Leer-Hülle dabei. Dieser Film steckt dann wohl noch im DVD-Player von Oma und Opa, etwa 250 km Luftlinie von uns entfernt. Dazu kommt, dass meine Tankanzeige im dunkelroten Bereich vor sich hin dümpelt und der Wagen dabei ist Trocken zu laufen. Zudem hätte ich nicht einmal Hilfe rufen können, denn die nette freundliche Stimme im Inneren meines Telefons verkündet gelassen, ich solle bitte mein Konto aufladen, um wieder telefonieren zu können...

Alles in Allem ganz normaler Wahnsinn auf einer Rückreise, der sich schnell in eine ausgewachsene Katastrophe hätte entwickeln können, wäre da nicht der nette Mensch im Radio gewesen, der mich in letzter (aber wirklich in aller letzter) Sekunde gewarnt hat.

Da ich mir seinen Namen nicht merken konnte, geht heute am internationalen Tag des Kusses ein wirklich dankbarer Luftkuss (mein Göttergatte möge es mir verzeihen) an alle netten aufmerksamen Stau-News-Überbringer!!!

Schreibt mir eure Meinung