Donnerstag, 30. Dezember 2010

Hobbythek im Hause E.

Wer, wie ich mit dem Fernsehprogramm der 90er Jahre aufgewachsen ist, wird sich sicher an die überaus spaßige Sitcom mit Tim Taylor, dem Heimwerkerking erinnern. Tim Allen in seiner Paraderolle als technikbesessenes, grunzendes und mäßig handwerklich begabtes Machotier, immer auf der Suche nach Dingen, die am Haus, im Garten oder am Auto größenwahnsinnig ausgebaut oder verbessert werden könnten.

Nach unser mittlerweile halbjährigen Umbauphase, wobei die alten Handwerkerhasen über diesen Zeitraum wohl nur müde lächeln können, habe ich den absoluten Durchblick, wie es zur Entstehung dieser amüsanten Vorabendprogrammgestaltung kommen konnte:


Die übers Ohr gehauene Frau eines passionierten Hobby-Bastel-Künstlers hatte die Schnauze voll und schrieb kurzerhand ein Drehbuch, welches wie eine Bombe einschlug. Die Leute hatten nicht nur Mitleid mit ihr. Ganz im Gegenteil, die gute Frau hatte die Lacher auf ihrer Seite und die Programmchefs die Dollar-Zeichen in den Augen. Die Einschaltquoten würden nur so in die Höhe schießen! Auf der anderen Seite bekam sie aber auch unmissverständlich ihr Beileid von den Menschen ausgesprochen, die ähnliche Probleme zu Hause hatten oder noch immer haben. Ich glaube es gab 4 Staffeln und wenn er nicht in Rente wäre, dann würde er noch immer versuchen... Lassen wir das. Zurück zu meinem Programm...


Was soll ich sagen? Mir geht es doch auch so. Und dabei habe ich noch nicht mal einen Heimwerkerking, sondern nur ein billiges Ein-Euro-Kraft-Double mit Bäckerausbildung im Haus! Mit dem Titel: „1000 Dinge, die bei der Selbstinstallation eines 4 qm großen Badezimmers schief gehen könnten. Ein Leid-Faden!“ schreibe ich die Fortsetzung, die 5. Staffel, des Heimwerker-Kings. Das Buch dazu, passend für alle Hobbygärtner und Berufsspezialisten. Nicht nur mit praktischen Tipps, wie man farbenblind, die drei verschieden farbigen Gummiummantelungen der Elektroleitungen auseinander hält und ohne fließend Wasser eine passable Gips-Mischung anrührt. Nein, bei mir gibt es auch die besten Durchhalteparolen für genervte und frustrierte Ehefrauen. Dazu eine genaue Auflistung von undichten Stellen, gutgemeinten Ratschlägen, die auf jeden Fall ignoriert werden müssen und natürlich eine Listen mit den 10 schmutzigsten Baustellenwitzen.

Dazu gibt es einen Extra-Teil mit Fotos von ausdruckslosen, wenig emotionalen Gesichtsausdrücken für die gestressten Ehefrauen. Vor dem Spiegel können diese Ausdrücke dann geübt werden, damit die Männer das wahre Ausmaß ihrer handwerklichen Misere nicht gleich am „Ich habe es dir doch vorher gesagt“-Blick erkennen. Auch ein kleiner Exkurs in Sachen Partnerschaft und Beziehungspflege wird in diesem Buch genau erläutert. Wie überlebe ich eine Ehe mit einer Frau, die ständig in das unfertige Badezimmer guckt und anfängt zu heulen... Ich fang dann gleich mal an zu schreiben!!!

Als "Wutbürger" durch das winterliche Straßenchaos

Mit dem viel zu verfrühten Eintreffen der Schneemassen in unseren gemäßigten Breitengraden, fror auch jeglicher Verstand in den Köpfen der Menschen ein. Die fehlende Umsicht, die mangelnde Weitsicht und die unverfrorene Selbstsucht der hiesigen Mitmenschen macht mich glatt zum „Wutbürger“. Und damit stehe ich nicht allein da, denn dieses Wort wurde 2010 zum „Wort des Jahres“ gekürt. Nur der eigentliche Hintergrund dazu ist bei mir etwas verschoben: Statt „Stuttgart 21“ haben wir „Winter in Iserlohn 2010“!

Und was mich dabei wütend macht, ist die Tatsache, dass völlig anständige, rechtschaffene Mitbürger zu gemeinen Verkehrsrowdies werden. Unbeirrt werden die Verkehrsregeln ignoriert, mit Füßen getreten und schlechtweg in den verschneiten Ecken liegen gelassen. Die schlimmsten Übeltäter sind in der Generation 60+ zu finden. Streng nach dem Motto „Wer war wohl eher da?“ gelten für Rentner und solche, die sich dafür halten, ganz andere Maßstäbe und Regeln. Sie bremsen grundanständige Autofahrer am Berg aus, so dass diese den Weg im Rückwärtsgang zurücklegen müssen. Sie laufen dir mit ihrem Gehwägelchen vors Auto und fühlen sich von der unverschämten Jugend noch bedroht. Dabei wäre die Ampel keine 10 Meter entfernt gewesen, die sogar auf Knopfdruck von Rot auf Grün schaltet... Aber nein, die Herrschaften müssen ja hier, ja, genau hier an dieser Stelle die Straße überqueren...

Ein anderer Tatort, jedoch das gleiche Prinzip: Absolute Ignoranz auf Seiten der Fußgänger! Ich fahre auf schneeglatter Fahrbahn die Straße entlang, es dämmert bereits, die ersten Laternen glänzen mit hellem Schein. Von Weitem erkenne ich eine junge Mutter, die rechts und links jeweils ein Kind an der Hand hält und Anstalten macht, die Straße zu überqueren. Als verständnisvolles Muttertier lass ich die junge Frau am Straßenrand natürlich rüber. Das ist doch selbstverständlich! Was ich allerdings nicht wusste und niemals für möglich gehalten hätte: Die Gute hatte gar nicht vor ÜBER die Straße zu gehen. Nein! Sie stöckelte mit ihren Sechs-Zentimeter-Pfennigabsätzen die geräumte Fahrbahn entlang, die Kinder im Schlepptau und hielt damit den gesamten Verkehr auf. Selbst, als ich vorsichtig den Motor aufhusten ließ, fühlte sie sich in ihrer Ruhe überhaupt nicht gestört. (Wirklich, es war nur ganz vorsichtig! Wer weiß, nachher hüpft sie mir vor Schreck noch auf die Motorhaube und hängt mir ein gebrochenes oder verstauchtes Fußgelenk an den Hals...Nach den Punkten vom Wetzlarer Kreuz kann ich mir das nicht erlauben!) Sie blickte sich kurz um, schüttelte den Kopf und stakste weiter die geräumte Straße entlang. Was soll man dazu sagen? Hinter mir ein Chaos aus hupenden, nervösen Autofahrern, vor mir die Dame mit unpassender Beschuhung, die sich die Füße nicht nass machen wollte...

Schlimmer sind eigentlich nur noch die Autofahrer, die mitten auf der vereisten Fahrbahn stehen bleiben, in zweiter Reihe parkend ein Brief in den Briefkasten schmeißen und in einer Seelenruhe wieder in ihr Fahrzeug steigen, ohne sich über die angestaute Schlange im Rückspiegel Gedanken zu machen.


Und da soll man nicht zum „Wutbürger“ werden!!! Grrr...

Weihnachten – Besinnlich und Beschaulich. Keineswegs!

Weihnachten. Herbeigesehnt und doch gefürchtet. Nun war es da, auch in diesem Jahr wieder unerwartet und schneller als gedacht. Und doch, hatte es in diesem Jahr einen etwas anderen Beigeschmack als sonst.

Wir haben uns dem inneren Kind ergeben und es mal so richtig krachen lassen: Zuerst gab es Schminktipps und aufopfernde Hilfe unserer Großen bei Stylingfragen, dazu dann Hasenbraten batteriebetrieben. Modebewusst und perfekt gestylt konnten wir mit dem Jüngsten in Wohnzimmianien Aufbauhilfe der dortigen Eisenbahnanlage leisten. Diese wurde nämlich regelmäßig von Playmobil-Piraten angegriffen. So lieferte sich die Besatzung der Duplo-Eisenbahn ein aufregendes Seegefecht auf dem Wohnzimmerteppich mit dem nagelneuen Piratenschiff. Der Kapitän wollte ursprünglich in die Badewanne mit dem Schiff, denn für Überlandfahrten war so eine Flotte doch gar nicht geeignet. Allerdings hatte sein Kreuzer Rollen unterm Bug, was anfangs für Aufregung und Beinahe-Tränen sorgte.

Der darauffolgende Schlittenrennwettbewerb auf der Hundewiese hat die Kinder mürbe gemacht. Wir nennen diesen Hügel eigentlich nur Hundewiese, weil sich hier ab und zu ein Hund-Halter-Gespann verläuft. In der Regel grasen hier gemächlich die Schafe von Bauer Gurke, weshalb der Berg eher Schafsberg oder Köttelwiese genannt werden sollte. Aber jetzt unter einem halben Meter Schnee sind auch die Schafsköttel völlig uninteressant, jetzt zählt nur der Berg, wie schnell der Schlitten abflitzt und wer das Ding dann wieder hoch zieht...


Zum Glück ging dann endlich um 19:30 Uhr das Licht aus. Aufatmen bei den Eltern. Denn die frische Luft, andauernde Seegefechte und das quieken des Batteriehasen haben ihre Spuren hinterlassen. Gähnende Müdigkeit macht sich auf der Couch breit.


Was läuft gleich im Weihnachtsprogramm? „Stirb langsam Teil 3“. Na, wenn es denn sein muss und sonst nichts Anderes läuft... Dann zum 10. Mal Bruce in Action... Moment, ging da nicht eben eine Tür? Ich glaub, da kommt Einer. Doch, ich hab die Tür gehört... Da steht der Till im Schlafanzug. Der schlafwandelt doch nicht... Bist du wach? „Ja! Was kommt im Fernsehen?“ Beide Elternteile gucken sich verdutzt an. Ähm, das ist jetzt aber ein Traum, oder? Von wegen, Traum! Der Kerl hat sich hellwach aufs Sofa gesetzt, Papas Schokoriegel verspeist und bekam in regelmäßigen Abständen, wenn es gar zu blutig wurde, die Augen zugehalten. Zumindest haben wir für unser Mittelkind schon eine Geschenkidee fürs nächste Weihnachtsfest: Die DVD-Box mit allen 4 Stirb-Langsam-Teilen.

Samstag, 18. Dezember 2010

Steht vor der Tür und will hinein: Der vierte Advent

Alle Jahre wieder... und doch steht der 4. Advent wieder völlig überraschend vor der Tür. Unvorbereitet öffnete sie ihm die Tür. In ihrem beigen Bademantel wirkte sie etwas plump neben dem Adventssonntag. Wie konnte das passieren? In Gedanken ging sie noch einmal die letzten 50 Wochen dieses Jahres ab. Die Kaffeetasse in den zittrigen Fingern haltend, setzte sie sich in ihren bequemen alten Ohrensessel und überflog das Jahr 2010. Ein Schicksalsjahr. Wie so viele vorher auch. Doch in diesem ist besonders viel passiert.

Alles begann mit einer eitrigen Mandelentzündung am 01.01. diesen Jahres. Es konnte einfach nur in die Hose gehen, wenn die ersten Stunden des neuen Jahres mit Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost einhergehen. Der Geburtstag ihres Sohnes musste wegen geringem Interesse der restlichen Familienbande abgesagt werden, was weitere Ereignisse vorausahnen ließ. Doch sie verschloss die Augen vor diesen Dingen, so wie sie jetzt dem 4. Advent keinerlei Beachtung schenkte. Es stand noch immer in der Tür, erwartete vielleicht, dass sie sich ihm endlich widmete, die letzte Kerze anzündete und ihm damit ein Willkommensgruß darbrachte. Doch nichts dergleichen geschah. Frau E. Saß versteinert in ihrem Sessel und hatte die Augen geschlossen. Veränderungen. Ja, die waren nötig gewesen. Und sie kamen auch, nicht so wie sich Frau E. Es dachte, aber sie kamen. Und sie waren entscheidend für den Rest ihres Lebens.

In der Mitte des Jahres hatten sich nicht nur die Wohnverhältnisse zum Besseren gewandt, sondern auch die Wogen im Familienzwist etwas geglättet. Allerdings nicht auf allen Seiten, denn das Schlachtschiff stand noch immer vor Anker im Hafen und richtete seinen Kanonen auf die Stadt. Jegliche Schutzmaßnahmen waren sinnlos, denn die Bedrohung war immer sichtbar. Jeder, der den Hafen sah, erkannte die drohende Gefahr. Auch wer längere Zeit nicht im Hafen war, das kanonenbeladene Schiff nicht vor Augen hatte, bekam es doch mit der Angst zu tun, wenn etwas von ihm aus weiter Ferne zu hören war, etwa ein Grollen, ein Pfeifen oder Quietschen. Selbst die Matrosen auf ihrem Landgang machten den Menschen in der Stadt unendliche Angst. Diese verwandelte sich mit der Zeit in Zorn, Wut und Hass, doch immer die Bedrohung im Hinterkopf.

Ein Lichtblick erschien am Horizont. Doch so schnell er auch kam, war er wieder verschwunden. Es war einfach kein Jahr für Lichtblicke! Mal das ein oder andere Flackern, aber Licht? Doch, jetzt, wo sie darüber nachdachte, gab es doch ein wenig Licht im Dunkeln. Wie schnell vergisst man all die schönen Erinnerungen, wenn schwere Ereignisse den Alltag überschatten. All die kleinen Freuden, ein Lächeln, der erste Wackelzahn und die gut überstandene Operation, werden von den schlechten Gedanken in den Hintergrund gedrückt. Dabei hatte sie Grund zum Danken! Wie viel Dank ist in den letzten Wochen einfach unter den Tisch gefallen? Nicht beachtet, so wie jetzt der 4. Advent. Dabei redeten die Kinder seit Wochen von nichts Anderem mehr. Es ist ihnen wichtig. Sie hatten es besonders hervorgehoben und es wurde von Frau E. fast völlig ignoriert.

Dieses Gefühl, was Weihnachten eigentlich auslösen sollte: Plätzchen backen, Familienfreuden, Freunde einladen und gemeinsam Weihnachtslieder singen sowie den Baum schmücken. So wie es früher war. In ihrer eigenen Kindheit. Voll Heimlichkeit, duftend und besonders. Der Gang über den Weihnachtsmarkt, der erste Schnee und die bunten leuchtenden Lichter der Kinderfahrgeschäfte, dazu ein Glas Glühwein und der verlockende Geruch einer Thüringer Rostbratwurst im Brötchen... Das weckt Erinnerungen. Warum eigentlich kann die Zeit im Advent nicht so verlaufen? Frau E. öffnete die Augen und sah in Richtung Tür, wo sie den 4. Advent hatte stehen lassen. Es sah traurig aus, müde und irgendwie gar nicht so, wie man sich einen Adventssonntag so vorstellte. Klar, die Kleidung war ordentlich gebürstet, das Haar zurückgekämmt und der Mund sauber gewaschen. Doch die Augen, sie hatten keinen Glanz, so wie das Leben der Frau E. „Warte hier“, sagte sie, als sie apubt aufsprang. „Ich zieh mir nur etwas Anderes an. Dann können wir los!“

Samstag, 11. Dezember 2010

Mein frauenfeindlicher Küchenherd

Nichts habe ich mir im Sommer mehr gewünscht, als dass nach wochenlanger Koch-Abstinenz, dem zurückgreifen auf Fast-Food und Dosenfutter, endlich mein neuer Herd angeschlossen würde. Ich erwartete diesen Tag mit Spannung und mit kindlicher Freude. Nun, es dauerte nicht lange und ich wünschte mir den Zwei-Platten-Campingkocher auf meiner Terasse zurück, denn mein neuer Herd spielte ganz gewaltig verrückt.

Ich gehe sogar soweit zu sagen, es handelt sich hierbei um einen frauenfeindlichen Küchenherd. Wie ich darauf komme? Ganz einfach, sobald ich mich mehr als zehn Sekunden gegen ihn lehne, fängt er an zu piepen! Und das ist kein normales Piepen, nein, es dröhnt und säuselt so lange, bis ich nicht mehr an ihm lehne... So als würde er mir sagen wollen: "In dieser Küche wird gearbeitet! Hör auf rumzustehen und koche deinem Mann gefälligst ein ordentliches Mittagessen!!!"

Alice Schwarzer würden die Haare zu Berge stehen, wenn sie von diesem Herd wüsste. Wenn ich mich recht entsinne, hat der Verkäufer meinem Göttergatten wild zugezwinkert, als er sich nach den Vorteilen des hiesigen Herdes erkundigte. Er könne alles, Umluft, Grill und (zwinker, zwinker) die Arbeit erleichtern. Damit war nicht meine Arbeit gemeint, sondern die Kontrollfunktion der Ehemänner, die dann nicht immer vom Fernseher aufstehen müssten, um zu sehen, ob ihre Frauen auch noch ordentlich arbeiten!!! Schweinerei, das!

Was kommt als Nächstes? Der vollautomatische Wäschschrank, der schlecht gefaltene und miserabel gebügelte Hemden wieder rausschmeißt? Oder gar ein Telefon, was sich nach vier Minuten Dauereinsatz von selbst abschaltet?

Oh, Welt...

Rebellion auf dem Rücksitz

Eine Autofahrt mit Kindern ist meist spannend und lustig. Die Betonung liegt auf meist, denn in der Regel ist es mit drei Kindern auf der Rücksitzbank anstrengend, nervenaufreibend und laut. Wer erinnert sich nicht gern an die Werbung, wo die Eltern zwischen den Kindern im hinteren Teil des Autos und sich selbst eine Scheibe hochfahren können, um so dem Gelärme der Mitreisenden zu entkommen.

So eine Scheibe brauche ich auch!!!

Das Resultat dieser kindlichen Autofahr - Rebellion kam mir vor wenigen Wochen ins Haus geflattert. Ein hübscher Brief vom Regierungspräsidium Kassel. Eigentlich mag ich es, Post zu bekommen. An Post von irgendwelchen Regierungsstellen, Stadtverwaltungen ect. war ich seit dem Umzug eigentlich gewöhnt. Aber was wollte bloß das Regierungspräsidium Kassel von mir? Nichtsahnend machte nicht ich, sondern mein Göttergatte den Brief auf. Er war ja schließlich für ihn! Nichtssagend legte er mir DiesenJenenWelchen mit einem breiten Grinsen vor die Nase. Da war ein nettes Foto von mir abgebildet. Gut, ich war nicht wirklich gut getroffen, sah etwas füllig aus, verträumt vielleicht, ähm leicht abwesend sogar... ich weiß es nicht! Na ja, das Ende vom Lied: Ich wurde geblitz, gefilmt, überführt... Ich bin schuldig!

Als ich den Wisch vor mir liegen sah, fiel es mir wieder ein. Es war kurz nach dem Gambacher Kreuz, vorbei am schönen Butzbach ("Mama, hier waren wir schon mal! Wer wohnt hier noch mal? Mama, Mama, Maaammmaaa...") und dirket hinter dem Kreuz Wetzlar standen sie: Und ich dachte noch... und im nächsten Moment war es schon zu spät. "Mama, was war das Licht?" tönte es vom Rücksitz. "Äh, ich glaube, ich bin gerade geblitzt worden", meinte ich meine Stimme aus weiter Ferne zu hören. "Oh" sagten drei dünne Stimmchen hinter mir, dann fuhren sie aber in ihrer üblichen Lautstärke fort: "Kinder Musik!" "Nein, Papas Musik!" "Ich würde gern die Nachrichten hören", meinte ich leicht genervt. "Wir wollen aber Papas Musik!" Alles, nur nicht Papas Musik!!!

Nach diesem Schock auf der Autobahn brauchte ich Gitarren, Schlagzeugsolos und dröhnende Bässe, nicht die Popper-Schnulzen-Baladen von Michael Jackson. Allerdings stand ich mit meinem Wunsch allein da und Ruhe auf der Rückbank kehrte erst nach dem Intro von "Billy Jean" ein. Vor mir lagen noch fast 200 km...

Meine Assoziation zum assoziativen Schreiben

Wer weiß was das ist bekommt gleich zu Beginn 100 Gummipunkte. Ich konnte es mir denken und als es sich bestätigte, standen mir die Haare zu Berge!

Ich kann so etwas nicht. Mir fällt nie etwas ein. Ich bin darin der totale Versager...

Ok, für alle die es nicht wissen: Assoziatives Schreiben bedeutet im weitesten Sinne, das aufzuschreiben, was einem ohne zu überlegen, sofort und unmittelbar zu einem bestimmten Wort, einem Satz einfällt. Das klingt eigentlich ganz leicht und für die sechs anderen Teilnehmer unserer kleinen "Strickrunde" scheint dies auch kein Problem zu sein. Warum dann bei mir?

Ich, als Texterin habe normalerweise keine Probleme damit fünfmal die Wortgruppe "Urlaub mit Hund in der Sächsischen Schweiz" in einem 250-Worte Text unterzubringen. Allerdings bereitete es mir Schwierigkeiten inerhalb von 15 Minuten aus den fünf Lieblingsworten meiner linken Leidensgenossin einen brauchbaren Text zu schreiben. Oder fällt euch spontan zu "Seele, Auge, Baum, Götter und Geister" etwas Nützliches ein???

Zu solchen Begriffen habe ich keine Assoziationen. Auch nicht zu dem Satz: "Wenn ich der Nikolaus wäre, dann..." (na ja, mir ist doch was eingefallen, soll ich mal vorlesen?)

"Wenn ich der Nikolaus wäre, dann hätte ich gern einen grünen Mantel. Rot ist schon lange out und grün ist doch auch eine schöne Farbe. Die Bäume sind grün, das Gras auf den Wiesen. Grüne Wiesen erinnern mich an den Sommer, an Spaziergänge durch den Wald, an Vogelgesang und an das Leben. 'Grün beruhigt und fördert das Denkvermögen', so begründete unser Leher damals in der Schule die hässlichen kakifarbenden Wände in den Klassenzimmern."

Ich hör' lieber auf, das geht gar nicht! Die anderen Texte waren so schön... Nikolauskritisch, weihnachtlich, besinnlich... Gut, zum Warmschreiben geht's vielleicht noch.

Montag, 6. Dezember 2010

Schnee -Text für Anfänger

Hier kommt nun das Ergebnis meiner kreativen Woche:

Zwischen einer wirklich niedlichen Bärengeschichte, die von einem Teddy handelte, der verzweifelt im Schaufenster saß und auf jemanden wartete, der ihn für Weihnachten kauft und einer außergewöhnlichen Betrachtung eines Adventskalenders, welcher die Hauptperson in ein zauberhaftes Märchenland entführte, stand nun meine Schneegeschichte...

Die Überschrift war quasi der Arbeitstitel, denn immer wenn ich aus dem Fenster sah, sah ich genau das...

Schneegestöber


Sie schaute aus dem Fenster in den ersten Schnee und dachte wehmütig zurück an den ersten Sommer in Spanien, als ihr Freund Lasse fröhlich pfeifend mit zwei Flugtickets in der Hand das Zimmer betrat. „Rate, was ich hier in der Hand habe?“ Eva verdrehte die Augen. In drei Wochen war Weihnachten. Und wie jedes Jahr würden sie zu seinen Eltern nach Stockholm fliegen und sich über die Feiertage den Hintern in der schwedischen Kälte abfrieren. Eva erwartete dann bei ihrer Rückkehr ins gemäßigte deutsche Klima am 2. Januar wie in jedem Jahr eine fette Mandelentzündung, hervorgerufen durch eingefrorene Füße und schneegekühlte sonstige Körperteile.

Eva betrachtete die fröhlich durch die Luft tanzenden Flocken und seufzte einen leisen, aber durchaus hörbaren Seufzer. Schnee in Deutschland, bedeutete noch viel mehr Schnee in Schweden! Und sie mochte keinen Schnee. Aber sie liebte Lasse, seit sie ihm in Spanien vor zehn Jahren das erste Mal begegnet war. Er war ein kühner, blauäugiger Wikinger mit strohblondem Haar und einem unheimlich schnuckeligen Akzent. Eva und ihre Freundin Paulina waren damals die ersten deutschen Austauschstudenten an der Universität von Madrid. Sie lernten Lasse und Giovanni, einen deutschen Italiener an der Uni kennen und waren für die nächsten sechs Monate unzertrennlich.

Dann musste Giovanni zurück nach Stuttgart und Paulina war am Rande der Verzweiflung, bis sie eines Morgens auf gepackten Koffern saß und Eva feierlich verkündete: „Ich halte es keine Sekunde länger ohne ihn aus. Ich fliege noch heute Nachmittag zurück und dann sehen wir weiter.“ Vor Schreck ließ Eva ihre Kaffeetasse fallen. Diese zersprang in tausend Scherben und die milchbraune Flüssigkeit verteilte sich an den Wänden und über den kalten Steinfußboden. „Du willst ihm hinterher?“ fragte sie ungläubig. „Ja. Ich liebe ihn.“ „Liebt er dich denn auch?“ Paulina zuckte mit den Schultern. Zur selben Zeit war auch Lasse endlich aus dem Bett gekrochen, rieb sich verschlafen die Augen und trat barfüßig in die Scherben der zersprungenen Kaffeetasse. „Aua. Was ist denn hier los?“ fragte er genervt und rieb sich seinen linken Fuß, während er auf dem Rechten hüpfend balancierte. „Paulina will Giovanni hinterher fliegen!“ donnerte Eva los und schüttelte verwirrt den Kopf. „Ja, ich weiß... Was? Was guckst du mich so an? Ich fahre sie doch nachher zum Flughafen.“ Lasse war völlig entspannt und bis auf sein schmerzverzerrtes Gesicht zeigte er keinerlei Gefühlsregung. Eva kochte. „Und das sagt ihr mir jetzt? Tolle Freunde seid ihr!“ Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging polternd zurück ins Zimmer. Paulina wollte zurück nach Deutschland, Lasse hatte kein Vertrauen zu ihr und Eva würde bald mutterseelenallein in diesem wunderschönen, warmen Land herum sitzen und sich darüber ärgern, dass Paulina so doof war.

Aber Paulina war gar nicht doof, wie sich später herausstellte. Sie war einfach total irre verliebt und Giovanni war es auch. Er holte sie damals sogar vom Flughafen ab, nahm sie mit zu sich nach Hause und machte ihr noch in der ersten Woche ihres Wiedersehens einen Heiratsantrag. Allerdings fand er das Klima in Deutschland nur mäßig berauschend, so dass er sich, samt Kleinstfamilie in seiner Heimat Sizilien als Maler niederließ. Hier war zehn von zwölf Monaten im Jahr Sommer. Es war warm, sonnig, das Wasser angenehm temperiert und es gab keinen Schnee. Eva seufzte wieder! Es gab keinen Schnee auf Sizilien.

Mit einem Seitenblick beobachtete sie ihren Freund Lasse. Er war ihr zur Liebe nach Deutschland gezogen, hatte sich hier einen Job besorgt und versuchte sich in die Mentalität des hiesigen Volkes einzufinden. Zum Glück gab es IKEA und den jährlichen Besuch bei seiner Familie in Stockholm. Eigentlich hatte Lasse für sie alles ihm Wichtige aufgegeben: seine Familie, seine Heimat, Eisangeln und Schlittenhunderennen. Dagegen war Evas Opfer sehr gering. Sie dachte an Paulina, die ihr im September ihre erste Stricksockenkollektion für den Winterurlaub geschickt hatte. Außerdem würde sie dafür in Sizilien bei Sage und Schreibe 26° Celsius keinen Abnehmer finden. Eva im kalten Deutschland dagegen, konnte die Socken im September schon gut gebrauchen...

Das Schneegestöber draußen vor dem Fenster wurde immer heftiger. Die Flocken tanzten durch die Luft und verschlossen dem Beobachter den Blick hinaus auf die Straße. Eva drehte sich langsam zu Lasse um, sah ihm fest in die Augen und nahm ihren ganzen Mut zusammen als sie sagte: „Ich hatte eigentlich darauf gehofft, wir würden Paulina und Giovanni diesen Winter mal besuchen. Wir hatten doch davon gesprochen.“ „Wen meinst du?“ fragte Lasse betont gelangweilt. „Ach, hör auf! Du weißt genau wen ich meine!“ „Aber wir fahren doch über Weihnachten immer zu meinen Eltern.“ „Ja, genau. Wir fahren immer zu deinen Eltern. Jedes Jahr! Können wir denn nicht mal im Sommer dort hin fahren?“ „Aber dann liegt dort kein Schnee!“ „Lasse, bleib bitte bei der Sache. Also, ich werde nicht mitkommen!“

Als Eva es ausgesprochen hatte, tat es ihr schon wieder leid. Sie wollte ihn nicht verletzen, aber sie war so schrecklich enttäuscht. Sie war sauer und aufgebracht, weil er ihr nicht zugehört hatte, als sie diesen Wunsch geäußert hatte, in diesem Jahr über die Feiertage nach Sizilien zu fliegen. Lasse ging langsam auf Eva zu, die Flugtickets noch in der Hand. „Wenn du nicht mitkommst, wird Paulina bestimmt traurig sein.“ Eva horchte auf. „Paulina? Kommen sie etwa mit nach Stockholm?“ fragte sie irritiert. Lasse schüttelte den Kopf. Manchmal dachte sie einfach zu kompliziert. „Nein, Süße. Eigentlich wollte ich dich am Flughafen überraschen, aber ich konnte mich vorhin nicht zurück halten. Hier!“ Er hielt ihr die Tickets entgegen und Eva konnte vor Schreck noch gar nicht richtig lesen. Da stand tatsächlich „Frankfurt-Palermo“ drauf. Eva schaute erst auf Lasse, dann noch einmal auf die Flugtickets, ob sich womöglich Palermo nicht doch noch in Stockholm verwandelt hatte und dann fiel sie Lasse schluchzend um den Hals. „Freust du dich?“ fragte er und Eva beantwortete seine Frage mit einem Kuss.

Sonntag, 28. November 2010

Zu schnell unterwegs

Punkte sammelen ist zu meiner großen Leidenschaft geworden. Ich nehme sie alle, egal ob Payback, Happy Digets, die Treuepunkte von ARAL, Shell, BFT oder OIL!, ganz gleich ob die Punkte auf der Kundenkarte bei Hellweg, Hagebau oder auf der Familie-Card von IKEA gutgeschrieben werden. Punkte sammeln ist super!

Das dachte sich mein Unterbewusstsein sicherlich auch, als es die verschiedenen Baustelle-Zeichen auf der Autobahn ignorierte und diese Nachricht nicht mit Nachdruck an mein Gehirn weiter leitete. Jeder kennt doch diese Hinweis-Schilder auf der Autobahn: Achtung Baustelle! Und dann geht es von UNBEGRENZTEM FAHRSPAß runter auf 1oo km/h, dann auf 80 km/h und bei uns in NRW geht es dann noch hinunter bis 60 km/h.

Gut dass sie mich in Hessen erwischt haben, als ich mit 115 km/h in die Tagesbaustelle geflogen bin, denn jetzt habe ich "nur" 35 zu viel und bei meinem Glück die Fleppen weg... Aber die Punkte, die kann ich behalten...

Freitag, 12. November 2010

Anleitung zum Zeit sinnlos verplempern

Angenommen, Sie haben an einem Freitag Nachmittag zwei Stunden kinderfrei, um eventuell wichtige Dinge zu erledigen, die in der Regel mit Kindern beschwerlicher und nervenaufreibender wären oder (zwecks Geburtstagsgeschenke besorgen) mit dem entsprechenden Geburtstagskind gar nicht möglich sind.

Dann planen Sie großzügig, denn die Regel wird außer Kraft gesetzt, sobald etwas Ungeheuerliches passiert. So kann es passieren, dass sie einfach ne Stunde sinnlos im Auto herumsitzen, die Charts im Radio rauf und runter hören, während auf der Kreuzung plötzlich ein rosafarbenes Flusspferd Tango tanzt und den ganzen Verkehr aufhält. Vielleicht ist aber auch die Straße gesperrt, weil die Feuerwehr lichterloh brennt und die Marshmallow-grillenden Gaffer diese nicht freigeben. Oder irgendeiner hat im Supermarkt den Alarmknopf gedrückt, wodurch alle Fenster und Türen mit Stahlgittern verriegelt werden und die Kunden im Inneren auf ihre Rettung warten müssen, bis der Chef mit dem Schlüssel von seinem Mallorca-Urlaub heimkehrt.

Oder Sie verplempern ihre Zeit einfach nur so, mit ganz banalen Nichtigkeiten: Etwa mit einer nicht lesbaren EC-Karte, die mir mitten im Freitag-Nachmittag-Chaos im REAl den Stinkefinger zeigt und nicht funktionieren will. Dabei war sie am Vormittag beim Tanken noch guter Dinge. Vielleicht musste sie sich einfach nur vom 1,50€ je Liter Benzin-Preis-Schock erholen...
Pech für mich, die ich leider unverrichteter Dinge aus dem Laden gehen musste. EINE STUNDE umsonst verbracht. Eine Stunde kostbare Zeit verschenkt, für so eine dusselige EC-Karte in der Trotzphase! Was hätte ich in dieser einen, wunderschönen Stunde alles machen können?!

Dabei habe ich schon genug Ärger mit meiner 6-jährigen vorpubertären Tochter und meinen beiden trotzfrechen Jungs, da brauche ich zu allem Überfluss nicht noch eine rebelierende Geldkarte!

St. Martin im Sommer

Warum musste St. Martin den armen Bettler bloß im Winter retten? Gab es im Sommer für den klugen Reitersmann etwa nichts zu tun? Ich habe die Nase voll von verregneten Laternenumzügen! Die in mühsamer Kleinstarbeit geklebten, ausgeschnittenen und bunt verzierten Lampions zermatschen und sorgen für allgemeines Unwohlsein beim Nachwuchs. Außerdem ist nach einem verregneten Martins-Umzug eine fette Erkältung vorprogrammiert.

Nachdem unser St. Martins-Umzug in diesem Jahr erneut buchstäblich ins Wasser gefallen ist, haben wir im Kindergarten-Kollektiv beschlossen St. Martin nächstes Jahr bei sommerlichen Freibadwetter zu feiern. Da die Geschichte dann allerdings nicht mehr passt, habe ich mir die Freiheit herausgenommen und die Geschichte kurzerhand umgestellt. Wer die Martinsgeschichte nicht kennt, kann sich ja noch mal darüber informieren. Sonst gilt ab nächstem Jahr die folgende Story:

1. St. Martin, St. Martin, St. Martin ritt durch Hitze und Sand,
sein Ross sich schwitzend unter ihm befand.
St. Martin ritt mit frohem Mut
Schnell in den Schatten, das tut gut.

2. In der Sonn' saß, in der Sonn' saß, in der Sonn' da saß ein alter Mann,
schon kraftlos, hing er an der Wand.
„Oh helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der quälende Durst mein Tod.

3. St. Martin, St. Martin, St. Martin zieht die Zügel an,
sein Ross steht still beim braven Mann.
St. Martin mit dem Manne teilt,
sein' Schlauch mit Wasser, unverweilt.

4. Der Mann trank, der Mann trank, der Mann trank schnell mit einem Schluck,
der Martin ganz verdutzt nur guckt.
Und ritt dann weiter aus der Stadt,
ob er wohl selbst genug noch hat?

5. St. Martin, St. Martin, St. Martin füllt den Schlauch schnell auf,
die Reise hört ja hier nicht auf.
Er winkt dem Mann und reitet fort,
ward nimmer g`sehn an diesem Ort.

Dienstag, 21. September 2010

Aus Alt mach Neu

Neues Heim, neues Glück, neue Farbe an den Wänden und neue Möbel in den einzelnen Zimmern, was braucht man denn noch? Neues Geschirr!!! Und damit das Neue Platz hat in meinen überdimensionierten Einbau-Wandschränken, musste das Alte natürlich weichen. Ich bin normalerweise kein Verfechter der Alles-Muss-Raus-Regel, aber diesmal muss es einfach sein. Natürlich mochte ich unser herrliches Steingut-Geschirr, beige mit den niedlichen weißen Blümchen auf blauem Grund entlang des Randes, "Made in Bulgaria" von Ikea. Allerdings hat dieses jetzt schon einige Jahre auf dem Buckel. Ich hatte ja gar keine Wahl, das Zeug hat mein Mann mit in die Ehe gebracht und er fand zu seiner großen Freude ein fast komplettes Set dieses Geschirrs als Schnäppchen auf dem Flohmark. Leider sind jetzt aber davon nur noch 4 kleine Teller, 10 Suppenteller, 6 flache Teller und 3 Kaffeepötte übrig.

Zum Glück war meine Freundin eine Woche im Urlaub, im Bayrischen Wald. Nichts hat der Freistaat mehr als Outlet-Center und Fabrikverkäufe und so ergatterte sie für mich endlich ein vollständiges Dinner-Set für 12 Personen von JOSKA, vollständig, schlicht und einfach, hier und da zwei bunte Blüten drauf, Alles in Allem aber sehr anständig. Ich habe gleich das Alte aus dem Schrank verbannt und das Neue an seinen neuen Platz gestellt. Teller, Tassen und Kaffeepötte werden nun für einen guten Zweck verschenkt, gehen ins Hochwassergebiet nach Polen.

Bis auf die Kaffeepötte, die haben Beine bekommen und sind heimlich wieder zurück in den Schrank gehuscht. Aber ich habe sie dabei erwischt. Na ja, Schonfrist für die Tassen. Sicher fällt einem der Kinder mal wieder so eine Tasse auf den Boden. Dann löst sich das Problem von allein.

Donnerstag, 16. September 2010

Wo hab ich ihn nur hingelegt...

In den letzten Wochen haben mehrere Gedankentornados mein wohldurchdachtes Ordnungssystem im Kopf mächtig durcheinander geschüttelt. Mein mühsam aufgebautes 3 bis 5 Kammersystem beschränkt sich seit einiger Zeit auf eine riesige Krabbelbox bestehend aus abertausenden Gedanken, Gefühlen und Emotionen. In riesigen knallroten beleuchteten Lettern steht darüber geschrieben: „Sonderaktion“! Hände, überall nichts als Hände, die sich wild stoßend, schubsend und kneifend ihren Weg bahnen und wie wahnsinnig in meinem Kopf herum wühlen. Und wenn ich Glück habe, einen Gedanken zu erhaschen, reißt ihn mir eine gierige, sonderaktionsverkaufsgeübte Klaue aus den zittrigen Fingern. Meine Gedanken schwirren durch einen luftleeren Raum und warten Mittags vergebens, dass Mutti sie aus der Kita abholt, sie nach Hause bringt und ihnen einen heißen Kakao vor dem Mittagsschlaf serviert...
Orientierungslos suchen sie nach der Schublade, in welche sie eigentlich gehören, können diese aber nicht finden, weil sie nicht beschriftet sind. Immer neue Gedanken fliegen mir zu, wollen abgespeichert werden und stehen ungeduldig wartend vor der Tür. Mürrisch sehen sie auf die Uhr, sind allerdings längst wieder weg, wenn ich dazukomme, ihnen die Tür zu öffnen.

Da kann es dann auch schon mal passieren, dass ich meinen Schlüssel an irgend einer Stelle ablege und vergesse, dass dieser Schlüssel an der besagten Stelle wartet! Ja, dass kommt immer mal wieder vor. Immer seltener, denn mein Schlüssel-Mantra flüstert mir schon beim Öffnen der Tür im Singsang „Den Schlüssel ans Schlüsselbrett“ ins Ohr. Aber manchmal überhöre ich den Singsang im Flüsterton, weil sich mit lautem Trommeln, mit Pauken und Trompeten wieder etwas Neues ankündigt. Und wenn dann aus dem Singsang ein Trommeln wird und die Trompeten zu Pauken werden, flüstert ein kleines Männlein schadenfroh: ERROR! Peng! Dann fliegen die Sicherungen raus und sich meine Festplatte formatiert sich mal eben von selber. Ich laufe dann lediglich orientierungslos meinen Gedanken hinterher...

Sonntag, 5. September 2010

Geschichten aus der Gemeinschaftsdusche...

Wenn ich groß bin, werde ich ein Badezimmer!
Not macht erfinderisch, diesen Spruch werden wir uns sicherlich irgendwann in Stein meißeln lassen, trifft er doch in unserer Situation mal wieder den Nagel auf den Kopf. Nachdem endlich das Projekt "Heißes Wasser für alle Körperteile" so kurz vor dem Durchbruch stand, kam uns Murphys Gesetz mal wieder in die Quere... So müssen wir uns jetzt doch zu aller erst dem altbekannten Projekt "Stromanschluss XXL" zuwenden. Dieses kleine Hinderniss führt nun allerdings dazu, dass Familie E. nun doch noch eine Woche länger als geplant an etwa 3 bis 5 Tagen in der Gemeinschaftsdusche im Schwimmbad anzutreffen ist.



Apropos Gemeinschaftsdusche, da fällt mir doch noch eine passende Geschichte zu ein, die sich vor Jahren mal in einer solchen abgespielt haben soll...




1995: Borussia Dortmund wurde Deutscher Meister, Franz Beckenbauer durfte die Bayern umher scheuchen, Helmut Kohl, der Einigkeitskanzler war noch Deutschlands Oberguru, während BSE als Schreckgespenst durch die deutschen Supermarktfleischtheken kursierte und von der Schweinegrippe noch nie jemand etwas gehört hatte. Damals, ja, damals war die Welt noch in Ordnung.
So trug es sich zu, dass an einem schönen sonnigen Samstag Nachmittag zwei junge Kerle die Tennis- und Squasch-Halle im Dortmunder Stadtteil Westhofen aufsuchten, um sich ein wenig abzureagieren. Während Westhofen dem Ein oder Anderen nur als unliebsames Nadelör auf der A1 beziehungsweise A45 bekannt sein dürfte, welches man zu den Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag meiden sollte, so hat diese Tennishalle nichts damit zu tun. Sie ist von der Autobahn gar nicht zu erreichen! Die beiden jungen Männer trafen sich selten zum Sport. Das sie heute gingen war reiner Zufall. So, wie es manchen Zufall im Leben gibt, bei dem sich der normalsterbliche Erdenbürger nachdenklich am Kopf kratzt und sich die Frage nach dem WARUM stellt. Die Beiden fragten sich so etwas allerdings nicht. Dem Schicksal tief in die Augen blickend, glaubten sie sowieso nur dem Einen, der die Fäden aller Menschen in den Händen hält und weit mehr drauf hat, als es der Zufall je haben wird.

Die beiden Männer: Davon einer etwa 20 Jahre alt, blond, blauäugig und von attraktiver Gestalt, der Andere mit schwarzen Locken und blassgrauen Augen etwas älter, was jedoch nicht weiter auffiel. Sie gingen nun also nach etwa drei Runden Power-Drink-Xtreme-Stemmen mäßig schwitzend unter die Dusche. Es war eine schöne Dusche, weiß-blau gekachelt mit blitzenden nach Edelstahl aussehenden Plastikduschköpfen, einem weißen Holzimmitat-Regal und nur vereinzelten Stockflecken in den Ecken. Mit ihnen betraten noch zwei weitere Männer mittleren Alters die Gemeinschaftsdusche der Tennishalle. Die blonden Haare leicht angesilbert, allerdings adrett frisiert. Für Männer ihres Alters gut gebaut, muskulös und drahtig bis in die Zehenspitzen.

"Pst...", zischte der Blonde dem Schwarzen unter dem laut plätschernden Wasserstrahl zu. Die Augen weit aufgerissen, versuchten dem Gegenüber etwas höchst Dringliches mitzuteilen. Der Andere reagierte allerdings verhalten auf das peinliche Gehabe des Freundes, kein Zucken, kein nennenswerter Augenkontakt, keine Reaktion.
Gemütlich, ohne sich um die anderen Duschnachbarn zu kümmern, schäumte sich der Schwarzhaarige mit Duschgel ein, denn er hatte wieder einmal sein Shampoo vergessen.

"Pst... Psssst..." Energisch pischperte der Blonde unter der Dusche. Seine immer größer werdenden Augen starrten durchdringlich und sein Kopf begann wild nach rechts zu zucken.

WAS hat der bloß? fragte sich der derweil sein Freund, der sich gerade unter dem wohlig warmen Wasser den Schaum aus den Haaren wusch.

"Pst... da..." Und dann zuckte sein Kopf wieder nach rechts, während er die Lippen fest aufeinander presste. Die beiden Männer mittleren Alters schnappten sich ihre Handtücher und sahen den Schwarzhaarigen bedauernswert an. Dieser zuckte nur mit den Achseln und machte ein entsprechend verwirrtes Gesicht, denn er wusste doch selbst nicht, was in seinen Kumpel gefahren sein sollte. Ob wohl etwas im Fitness-Drink war? Er selbst hatte Kirschgeschmack, langweilige Sorte, allerdings wusste er dabei, was ihn erwartete. Vielleicht waren es immer nur die irren Sorten, wie Zitrone-Blaubeer-Kiwi, die einen unangenehmen Nebeneffekt auf den Sportbegeisterten haben.

Als die Mittelmänner die hübsche blau-weiß gekachelte Dusche verließen, landete eine fast leere Shampoo-Flasche am Kopf des Schwarzhaarigen. "Hey! Spinnst du, Mann?" "Bist du blind?" "Hä?" "Weißt du wer das da eben war?" "Nö! Wer denn?" "Man, bist du blöd. Das war Ottmar Hitzfeld. Nackt!" "Ja, echt..." "Das habe ich doch die ganze Zeit gesagt, nur du hast es nicht kapiert!" "Dann hinterher, vielleicht erwischen wir ihn ja noch in der Kabine..."

Haben sie aber nicht! Und die Moral von der Geschichte: Machmal ist eben im Fitness-Drink doch nur Zitrone-Blaubeer-Kiwi-Geschmack drin, dafür steht jedoch irgend ein Promi gerade nackt hinter dir. Dreh dich nur mal um!

So, ich muss los. Das Schwimmbad schließt gleich...

Freitag, 3. September 2010

Was macht denn der Cowboy bei uns im Haus?

Freitag morgen, 7:45 Uhr

Mist, die Jungs sind 15 Minuten zu früh dran. Schnell schnappe ich mir Kind 1-3 und verschwinde mit ihnen und einem riesigen Wäscheberg in unserem winzig kleinen Badezimmer. Die drei Kinder werden rund um den Waschtisch positioniert und bekommen jeder seine Zahnbürste in die Hand gedrückt. Während dessen versuche ich auf den noch übrig gebliebenen 0,5 m² aus meinem Snoopy-Flanell-Schlafanzug zu klettern (nicht lachen, die Nächte sind immerhin schon sehr, sehr kalt...). Mein Göttergatte steht derweil fertig angezogen, gewaschen, gekämmt und rasiert vor der Tür und erwartet die "Jungs" freudestrahlend. Wie kann man bloß am frühen Morgen schon so gute Laune habe, verstehe ich nicht! Gerade als ich verzweifelt mit meinem Pullover kämpfe, bricht das erste Kind aus dem Badezimmer aus. Klar, es war ja fertig, warum sollte es also so lange warten, bis Mama nicht mehr halb nackt in der engen Nasszelle steht. Auch Kind Nummer zwei wirft die Zahnbüste im hohen Bogen in die Ecke und versucht es dem ersten Ausreißer gleich zu tun. Jetzt noch schnell die Hosen an... "Halt! Du bleibst hier, bis ich fertig bin!" Meine Große betrachtete mich mit einem giftigen Blick. Aber, wenn sie jetzt die Tür aufgerissen hätte, wäre ich in eine sehr, sehr peinliche Situation geraten: halb angezogen, die Hosen nur über ein Bein gestreift und ungeschminkt mit zotteligem Haar! Das wäre der erste Anblick, den unsere Zimmerleute von der Herrin des Hauses bekommen hätten... Nicht sehr schmeichelhaft, voll peinlich und bestimmt der Anlass für viele neue derbe Baustellenwitze... Aber ich hatte noch Glück im Unglück, denn just in dem Moment, als meine Große die Hand an die Klinke legte, hörte ich die Dielen unter den schweren Männerschritten knarren. Ein Hoch auf knarrende Dielenbretter!

Nichts für Ungut, ich bin noch mal mit heiler Haut davon gekommen. Nur meine Große war furchtbar entsetzt, als ihr die Zimmermannsgesellen in ihrer so typischen Wanderkluft begegneten: "Warum sind das Cowboys?"

FRAGEzeichen mit AUSrufungsPUNKT...

Nein, keine Cowboys, die sind doch mit dem Auto hier, nicht mit dem Pferd... Klaro!!!

Mittwoch, 11. August 2010

"Ich nehme... ein Eisbein."

Wie soll sich ein Mensch in dieser überdimensionierten Farblandschaft der unterschiedlichen Baumärkte nur zurecht finden? Und dass auch noch, bei einer nicht sehr ausgeprägten Entscheidungsfreude... So stehe ich nun vor der entsetzlichen Aufgabe unsere neu gewonnenen Quadratmeter mit Farbe zu füllen, um die Wohnqualität einer Fünf-Köpfigen Familie zu steigern und dabei jedem seine eigene Freiheit zu lassen. Unsere Kinder sind sich einig: Die Wände müssten bunt mit Blumen, Schmetterlingen, Prinzessinen und Power Rangers verziehrt werden. Gut, dass auch wir Elterntiere dabei ein Wörtchen mitzureden haben. Das Problem ist mein holder Göttergatte, der mir mit den Worten: "Du kannst ja die Farbe aussuchen" die alleinige Verantwortung für dieses Mammutprojekt übertragen hat. Nun ist mein Liebster aber auch nicht mit Allem zufrieden, rümpft bei dem einen Vorschlag die Nase, zuckt bei dem Anderen nur mit den Schultern. Und was soll ich jetzt davon halten?

Ich träume ja nachts schon von wild durcheinander tanzenden Farben, die sich von ihren Farbpaletten lösen und gemein grinsend durch die Zimmer schweben... Und da wäre noch ein winziges Problem, was die Entscheidung für die richtige Farbe in den Zimmern noch etwas erschwert. Ich bin von Geburt an mit einer gewissen Unentschlossenheit ausgestattet. Wenn ich mich zwischen mehr als Zwei Dingen entscheiden muss, bekomme ich einen Kurzschluss! Dann raucht mir der Kopf und meine Hände zittern und ich entscheide mich grundsätzlich für das Falsche!!!

Ein Beispiel, bei dem ich diesem Geburtsfehler alle Ehre gemacht habe:

Es war Sommer, die Sonne schien heiß und unerbittlich auf unsere Köpfe hinunter und schrecklicher Durst quälte uns auf dem Weg durch die verwinkelten Markstände. Ich habe zum ersten Mal den Mann mit nach Hause gebracht, der eigentlich die Rolle des Vaters meiner Kinder einnahmen sollte, in der freudigen Erwartung, meine Eltern würden ihn genauso mögen wie ich. Sie mochen ihn auch und luden uns an diesem besagten, heißen Tag zum Essen ein. So weit, so gut. Wir kamen schnell zum Sitzen, ein kühles Wasser löschte den Durst und erleichterte so die Auswahl der Speisen. Es ist sehr interessant, aber ich kann heute noch genau sagen, was meine Eltern an diesem Tag bestellt haben. Warum? Weil sie das immer bestellen, egal wo sie Essen gehen. Mein Vater ordert Zeit seines Lebens Schweineschnitzel nach Art des Wieners mit Pommes Frites und Zitronenscheibe, dazu Salat, den er gnädig meiner Mutter überlässt. Meine Mutter hasst es in den eigenen vier Wänden Schweineschnitzel zu braten, weil dann die ganze Wohnung so stinkt und so darf Vater sich jedes Mal ein Schnitzel bestellen. Die Dame des Hauses ist da schon wählerischer: Entweder isst sie Fisch oder Hähnchenbrust. Eins der beiden Gerichte kommt bei ihr immer auf den Tisch. Mein neuer Freund, saß bisher teilnahmlos am Tisch und vergrub seine Nase in der Karte. Zu guter Letzt nahm er dann auch das Schweineschnitzel, um meinem Vater zu imponieren und ihm seinen "erlesenen" Geschmack vorzugaukeln (nehme ich jetzt einfach mal an, vielleicht mochte er aber auch wirklich genau an diesem Tag so ein ... na, egal). Alle legten zufrieden ihre Menükarten zur Seite, als die nette Bedienung mit dem pechschwarzem Haar und dem auffällig getönten pinkfarbenden Ponny an unseren Tisch kam. Bis dahin habe ich die Karte mehrmals von vorne nach hinten durchgeblättert, ohne auch nur im Geringsten wahrzunehmen, was da eigentlich alles so drauf stand. Auf die Vorspeise verzichtete ich besser, weil mein Magen, dem eines Spatzes glich. Ich suchte nach etwas Essbarem, dass weniger gewöhnlich war als Kohlrouladen, Schnitzel oder Hähnchenbrust in Sahnesoße. Jetzt hatte ich die Karte schon wieder durchgeblättert und die freundlich lächelnde Frau stand plötzlich an unserem Tisch: "Was darfs denn sein?" Meine Panik stieg, als die ersten drei Personen ihre Bestellungen abgaben, ohne mit der Wimper zu zucken. "Und?" Alles guckte mich an, mein Puls stieg, meine Hände, die sich an der braunen Menükarte festgeklammert hatten, begannen unangenehm feucht zu werden. "Ich weiß noch nicht so recht..." "Na, dann überlegen se mal." Und schwups, war sie wieder weg. Aufschub! Aber das Problem blieb. Und wenige Minuten, aber unzählige Gekankensprünge meinerseits, später, kam sie erneut an den Tisch und frage: "Und? Ham se sich entschieden?" Eigentlich nicht! dachte ich, flog aber mit meinen Augen noch einmal über die Karte. "Ich nehme..." Hähnchenbrust... Schnitzel... Kohlrouladen... Seelachsfilet mit Kräuterkruste... "ein Eisbein!" Klapp, die Karte zu und fertig aus. Alles guckte mich entgeistert an. "Hast du schon mal Eisbein gegessen?" fragte meine Mutter etwas entsetzt. Ich schüttelte den Kopf. "Nööö. Aber einmal muss ich es ja probieren!"

Hat schon mal jemand ein Eisbein mit Sauerkraut in Hochsommer bei 35 Grad im Schatten verspeist? Nein?! Ich schon.

So ein "Eisbein" habe ich gerade für unser Wohnzimmer ausgesucht...

Sonntag, 1. August 2010

Mein neues Hobby: Garten-Unkraut-Kompost

Vor gar nicht all zu langer Zeit hat mir doch eine gute Freundin nahe gelegt, ich solle mir ein neues Hobby zulegen. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie sie zu diesem Schluss gekommen ist, denn ich kann nicht behaupten, dass ich als Mutter von drei Kleinkindern, als Hausfrau, nicht zu vergessen als Sekretärin für meinen Göttergatten und als freiberufliche Autorin, einen Mangel an beruflicher und arbeitsorientierter Entfaltung habe.

Aber, um dich zu beruhigen, liebe Freundin: Ich habe ein neues Hobby. Und das ist etwa 400 qm groß, hat massig viel Rasen drumherum und einen nicht außer Acht zu lassenden Anteil an muskelkaterverursachendem Unkraut. Wettertechnisch haben wir hier im Sauerland eine 50:50 Chance auf Regen, was das unsinnige Kraut im Garten noch ein bisschen besser wachsen lässt. Vereinzelte Wutausbrüche über im Boden tief verankerte, von den vorher teuer bezahlten Gärtnern einfach übersehenen Wurzelstrünke versüßen mir den Nachmittag in sengender Hitze. Auch habe ich mittlerweile die Fähigkeit entwicktelt, das Unkraut beim Wachsen zu beobachten... Das geht echt ab...

Die neuen Spielgefährten unserer Kinder im Garten heißen jetzt auch nicht mehr Jonas, Lara oder Benjamin, sondern Regenwurm, Kellerassel und Ohrenkneifer!!! Sie haben einen Heidenspaß die Dinger aus der Erde zu ziehen, ihnen kleine niedliche Wohnungen einzurichten oder sie im Wassereimer zu ertränken... (Vergesst den letzten Satz... niemals werden bei uns Tiere ertränkt!!!)

Und mein neustes Spielgerät ist ein Komposter! Ja, es lebe die Zeit der Mülltrennung!!! Ich wollte schon immer so ein stinkendes Ding für Bio-Müll im Garten haben. Der erste Grünschnitt landete in der 450 l Tonne und mit ihm eine Reihe obdachloser Regenwürmer, die unsere Kurzen aus dem frisch bepflanzten Blumenbeet zogen. Die Bartnelken und Margariten lagen traurig mit den Wurzeln nach oben im Beet, während verzweifelt um ihr Leben kämpfende Regenwürmer, in der Fachsprache aus Lumbricidae genannt, versuchten schnell das Weite zu suchen. Aber die Kleinen, bewaffnet mit Gießkanne und Kinderschaufel gaben keine Ruhe, bevor auch nicht der letzte Wurm der Kompost-Vereinigung zugeführt wurde. Auf das der Humus wachse... und Mama ihre Ruhe hat, beim Unkraut vernichten!!!

Freitag, 30. Juli 2010

Elternratgeber adieu!!!

Da stehe ich heute nichtsahnend in der Buchhandlung und sehe dort genau das Buch, was ich eigentlich schreiben wollte:

"Kinderkacke: Das ehrliche Elternbuch" von Thomas Lindemann und Julia Heilmann

Auf so ein Buch hat die Generation gefrusteter Eltern gewartet (ach ja, ich vergaß... Gefrustete Eltern gibt es ja gar nicht... also, auf das nur ich gewartet habe...) Endlich spricht mal jemand ehrlich an, dass Kinder auch mal nerven und auch mal doof sind und das eigene Leben total auf den Kopf stellen und das danach nichts mehr so ist wie früher (wirklich nichts, obwohl das nicht nur negativ gemeint ist). Find ich jetzt aber ganz schön Sch...lecht, dass dieses Buch schon geschrieben wurde. Endlich rechnte mal jemand ab mit diesen Eltern, die angeblich nichts erschüttern kann, denen kein Kindergeschrei laut genug sein kann, denen klebrige, matschige und verschmierte Fensterscheiben und Fernsehbildschirme nur ein müdes Lächeln abringen, die nebenbei die Kleidung ihrer Kindern selber nähen und stricken, dazu noch biologisch wertvoll kochen können, ihre Pflanzen im Garten selber anbauen und das Brot für dien halbe Nachbarschaft selber backen...

Dazu die schlauen Sprüche aus den noch schlaueren Elternratgebern, die ich fast alle ausprobiert habe und die in nächster Zukunft in den Kamin wandern, sobald die Außentemperaturen eine warme Wohnung rechtfertigen! Arrrg...

Ich habe das Buch noch nicht gekauft, weil ich es ja eigentlich selber schreiben wollte. Aber vielleicht hole ich es mir morgen. Als Wochenendlektüre.

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Nachtrag (etwa 2 Jahre später): Ich habe jetzt tatsächlich einen Elternratgeber geschrieben! Gut, er handelt nicht von Kindergeschrei und sonstigen Attakten, nein, es ist ein sehr seriöser Ratgeber zur Einschulung.

"Endlich ein Schulkind" - Ratgeber für Eltern von Vorschulkindern und Schulanfängern
Als eBook bei Amazon für 2,68 Euro und bald auch als Taschenbuch.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Ich sehe was, was du nicht siehst...

"... und das ist klein. Und manchmal ist es auch groß. Es ist braun mit weiß, hat Federn und lebt auf einem Baum." "Ein Eichhörnchen!" "Nein, das hat doch keine Federn." "Ein Hase." "Nein, nein, nein. Versuch es noch mal!" "Ein Schmetterling?" "Doch kein Schmetterling!" "Ich weiß es nicht, sagst du es mir?" "Es ist ein Eisbär-Indianer-Tier!" "Neeeeiiiin, das geht doch gar nicht! Stimmts, Mama, es gibt keine Eisbär-Indianer-Tiere!" Mit entsetztem Miene erklärt mir meine Fünfjährige, dass es solche Tiere überhaupt nicht geben kann. Und überhaupt, ihr kleiner Bruder hätte keine Ahnung und wäre sowieso noch ein Baby! "Gaaaaar niiiicht, stimmts?" Ich schüttele den Kopf. "Da siehst du es, Mama hat gesagt es gibt Eisbär-Indianer-Tiere!" Habe ich das? Ich habe aber eigentlich gemeint, dass unser Mittelkind kein Baby mehr ist... Ups, schon wieder in die Ich-will-nicht-schlafen-Falle getreten, mitten hinein und die Diskussion war im Gange, so wie jeden Abend.

"Du hast keine Lust auf Stress am Abend!" rede ich mir ein und setze ein freundlich gequältes Lächeln auf, damit sie nicht merken, dass ich mich wieder einmal selbst ins Abseits gestellt habe. "Also ich habe davon gehört, dass diese Indianer-Eisbär-Tiger hier im Iserlohner Stadtwald schon einmal gesehen wurden!" "Gar nicht!" protestiert meine Große. "Es gibt nur Hirsche und Hasen im Wald." "Dann hast du also schon einmal einen Hirsch im Wald gesehen?" "Bambi ist ein Hirsch!" Ach ja, das wieder. Ich vergesse doch immer wieder, dass bei Fünfjährigen der Sinn für Realität und Fiktion noch nicht vollständig ausgebildet ist. NICHT DRAUF EINGEHEN, NICHT DRAUF EINGEHEN höre ich meine innere Stimme in den schrillsten Tönen rufen. "Aber Bambi..." Nein, diesmal höre ich besser auf meine Stimme. Ich habe noch einen Berg Bügelwäsche und eine halb ausgeräumte Spülmaschine, die sich bereits von mir vernachlässigt fühlen.

Mittwoch, 21. Juli 2010

"Meine Cousine Rachel" von Daphne Du Murier

Nie wäre ich auf die Idee gekommen, Daphne Du Murier zu lesen, bis mich dieses Buch aus einer der Kisten förmlich ansprang. Mein zur Zeit sehr eingeschränktes Langzeitgedächtnis (obwohl, beim Kurzzeitgedächtnis sieht es auch nicht besser aus...)klickerte langsam, aber geräuschvoll vorwärts. Der Name der Schriftstellerin kam mir seltsam bekannt vor: "Daphne Du Murier, Daphne Du Murier", säuselte ich langsam vor mich hin und schob diesen Namen von einer Ecke meines klapprigen muffigen Gedächtnisschrankes in die andere. Plötzlich kam mir der rettende Gedanke, denn kürzlich habe ich von meiner Nachbarin einen ganzen Stapel "Schundromane" bekommen, die ich an eine Tante Väterlicherseits abgeben sollte, damit diese ihre langweiligen Abende nicht immer nur vor dem Fernseher verbringen müsse. Da ich der armen alten Tante aber nicht zumuten konnte, irgendwelchen Schrott zu lesen, musste ich vorher mal antesten... Und in einem eben dieser Romane fühlte sich die Hauptfigur mit einer Romanheldin von Daphne Du Murier sehr verbunden. Komischer Gedanke.

Leider habe ich von der guten Frau noch kein einziges Buch gelesen, obwohl sie für ihre schriftstellerischen Leistungen sogar in den Adelsstand erhoben wurde. Aber ich habe jetzt mit "Meine Cousine Rachel" angefangen, denn das ist dieses besagte Buch von Daphne Du Murier. Scheint ganz nett zu sein, denn es geht angeblich um eine betörend schöne, aber eiskalt berechnende Mörderin, die kurz nach der Hochzeit in Florenz ihren Ehemann ermordet haben soll. Oder war sie es doch nicht? Ich werde es bald wissen und dann aufklären.

Dienstag, 20. Juli 2010

Tizian macht's möglich

Bei der Überlegung, welches Buch diese kleine Serie beginnen soll, musste ich nicht lange überlegen. Ein dünner unscheinbarer weißer Einband mit dem berühmten "Dogen Francesco Venier" von Tiziano Vecellio lag oben auf einer der beiden Bananenkisten und starrte mich mit seinen alten Augen aus einem hageren Gesicht an. In einer schwarzen Sprechblase formulierten sich die Wörter "Tizian macht's möglich". Mein Interesse war geweckt, erkannte ich doch das Bild des berühmten Künstlers und auch der Begriff Tizian war mir bekannt. Und doch stellt sich mir die Frage, was eine 97jährige Frau mit solch einem Buch angestellt hat. Welchen Humor muss sie bessen haben?


Ich zitiere einige Teile des Vorworts aus dem Buch der "Konsumenten", wie S. Sattelschlepper, der Verfasser, sein Publikum selbst liebevoll betitelt:

"Jene halten stets den Tiger im Geist des Weines versteckt, birkeln mit weiteweltduftender Waschkraft wie der lichte Tag, sind auf allen Straßen aus Erfahrung gut... und manchmal wissen sie sogar das Puschkin ein echter Dichter ist..."

Ein Buch für Konsumenten also, mit einer recht großen Portion Humor, gewagt, aber sehr unterhaltsam. Die klassischen Kunstwerke wurden in keinster Weise verschandelt. Ihre eigentliche Aussage wird durch die Reklamesprüche unter den Bildern nur etwas (bis ganz schön doll) abgewandelt. Und weil es so schön ist, wurden die Sprüche viersprachig aufgeführt, damit auch die Briten, Franzosen und die Russen über unsere deutschen Werbesprüche lachen können...

Ich habe einfach mal eine kleine Auswahl an Bildern zusammengestellt. In dem netten kleinen Bildband sind etwa 60 Kunstwerke durch Werbesprüche verfeinert worden. Da dieses Buch aus dem Jahre 1967 stammt, sind die Sprüche nicht mehr so ganz aktuell, verfehlen aber in keinem Fall ihre Wirkung.

1. Mein absoluter Favourit:
Antonio del Pollaiuolo (1429-1498), David mit dem Haupte des Goliath



"Im Falle eines Falles, klebt Uhu wirklich alles."

2. Dann, etwas makaber:
Edouard Manet (1832 - 1883), Die Erschießung des Kaiser Maximilians



"Hoffentlich Allianz versichert."


3. Jetzt vielleicht noch etwas aktuelles:
Albrecht Dürer (1471-1528), Ritter, Tod und Teufel



"Fahr lieber mit der Bundesbahn"


4. Und zum Schluss noch etwas Nettes:
Anselm Feuerbach (1828-1898), Hafis am Brunnen



"Frag den Mann von Mannesmann."


5. Einen habe ich noch: Jan van Eyck (1390-1441), Vermählung des Giovanni Arnolfini




"Schappi, damit's ein Prachtkerl wird."

Ich habe wirklich gesucht, aber dieses Buch ist nicht mehr auffindbar. Echt Schade. Vielleicht sollte es eine Neuauflage geben. Werbung haben wir ja genug...

Montag, 19. Juli 2010

Die beste Ausrede gesucht

Die Lieblingsausrede meines Mannes, nebenbei bemerkt, er ist Lehrer und hat einen ganzen Katalog an Ausreden zur Hand, die er regelmäßig nach Popularität bei der Schülerschaft ordnet, ist:

"Ich wollte es machen, bin aber nicht dazu gekommen."

Dieser Satz geht immer, egal, ob es sich dabei um vergessene Hausaufgaben handelt oder, wie in meinem Fall, um das Nichterledigen der Hausarbeit.

Nichts hasse ich mehr als Aufräumen oder Putzen. Bevor ich mit so einer nebensächlichen Arbeit beginne, mache ich tausend andere Dinge. Etwa Kinderbücher der Größe nach ordnen oder vor dem Spiegel stehen und Falten zählen. Manchmal mache ich aber auch ganz nützliche Dinge, oft zusammen mit den Kindern, etwa Fensterbilder basteln oder das Abendessen vorbereiten. Das die Küche nach dem Zubereiten einer köstlichen Mahlzeit nicht wie die aus dem Katalog aussieht, ist doch ganz logisch...

Und wenn ich über unserem Bastelnachmittag die Wäsche in der Wäschtrommel vergessen, dann kann ich doch gar nichts dafür! Ach, dabei fällt mir ein, ich habe heute wieder den Flur nicht geputzt, obwohl ich eigentlich dran bin. Ich wollte ja, aber dann habe ich angefangen meinen Schrank nach Klamotten für die Altkleidersammlung zu durchsuchen und dann war es auch schon wieder so spät, der Kleine ist aufgewacht und die Großen wollten raus. Und da bin ich einfach nicht mehr zu gekommen. Aber morgen.

Das Vermächtnis der alten Dame

Vor gar nicht all zu langer Zeit, in einem Land der tausend Möglichkeiten (solange die Rechnungen immer bezahlt werden) ging ein niedliches kleines Häuschen in unseren Besitz über...

Nach Abzug der Kosten und in Anbetracht der ständig ins Haus flatternden Rechnungen, sieht das ganze Projekt jetzt nicht mehr ganz so rosig aus, wie damals. Als wir mit unserer rosaroten Brille durch die süßen kleinen Zimmer schritten und voller Verzücken die blumigen Tapeten, sowie die altmodischen Gardinen im Stil des Gelsenkirchener Barock bewunderten.

Davon ab, unser Heim besitzt ein enormes Potential.
Den Charme einer alten Dame, die langsam in die Jahre gekommen ist, sich jedoch vor dem jungen Gemüse nicht verstecken muss. Mit seiner antiquarischen Ausstrahlung und dem, trotz seines Alters, lebendigen Stil werden wir jeden Tag neu überrascht.

Und genau in diesem alten charmanten Haus standen SIE. Das Vermächtnis der Vorbesitzerin, abzugeben in gute Hände. Und welche Hände wären wohl besser geeignet, als meine??? Vertrauensvoll zurückgelassen in einem dunklen Kellerregal, in einem Keller voller Schätze aus grauer Vorzeit, in welchem sich der leicht muffige Geruch alter Leute mit dem Neuen langsam vermischt. Lange Rede, kurzer Sinn: Dort standen zwei Bananenkisten voller Bücher...

Als ich die Kisten kurz durchwühlte, entdeckte ich neben einigen Klassikern von Hemmingway, einem Homer und eingien Daphne du Murier. Darüber hinaus seltene Literatur, einige Magazine und wunderschöne Bildbände mit Schwarz-Weiß-Fotografie aus den 60er Jahren.

Diesen Schatz will ich in der nächsten Zeit gern mit euch teilen, indem ich jeden Tag ein anderes Buch vorstellen und genau unter die Lupe nehmen möchte. Ich werde die alle lesen... ich weiß nur noch nicht wann!!!

Dienstag, 13. Juli 2010

Es wird ernst!!!

Benno und Billy mussten heute das Haus verlassen. Damit sind jetzt nicht unsere Kinder gemeint, die auf Grund schlechten Benehmens bei den Nachbarn einziehen mussten, wie ich es immer androhe... Nein, Billy ist unser heißgeliebtes Bücherregal und Benno sein kleinerer Bruder, ein CD-Regal aus dem gelb-blauen Schwedenshop. Na ja, und nun ist die Zeit gekommen. Der Abschied fiel schwer, aber er ist ja nicht für lange. Nun werden sich die Beiden in der neuen Wohnung schon etwas einleben, bevor wir hinterher ziehen können.

Aber: Was weg ist, ist weg. Und steht nicht mehr im Weg. Sie fehlen mir... Es sieht so leer aus. Die kahlen weißen Wände gähnen mich an und die fehlenden Regale an den Wänden haben dunkle Abdrücke auf der Tapete hinterlassen. Da, wo einst das Leben in voller Pracht blühte, gähnt jetzt eine kalte, kahle Leere. Von den Zimmerdecken lassen die losen Kabelschlangen traurig ihre kupferfarbenden Köpfe hängen und warten nur darauf endlich zuschnappen zu können.

Auch die großen nackten Fensterscheiben glotzen mich trotzig an und werfen mir ihren, durch Fettfinger verschleierten Blick entgegen. Ein leiser Ton aus meinem Mund verhallt in den kahlen Ecken. Es riecht nach Abschied...

Dienstag, 6. Juli 2010

Gedanken zum internationalen Tag des Kusses am 6. Juli

Am heutigen internationalen Tag des Kusses hätte ich am liebsten den Radiomoderator von JAM FN abgeknutscht!

Warum? Er hat mich quasi gerettet. Um 9:31 Uhr kam im Radio (Das Ding habe ich eigentlich nie an, weil ständig Kindermusik läuft...) die Warunung vor einem dramatischen LKW-Unfall zwischen "Rehren" und "Bad Eilsen" auf der A2 Richtung Dortmund mit dem Hinweis doch bitte der U44 zu folgen. Nur Sekunden später erscheint die besagte Ausfahrt und somit haben wir uns eine unglückliche Totalsperrung der Autobahn über mehrere Stunden bis 14 Uhr ersparrt.

DANKE

Warum mich das so glücklich stimmt? Die Zeit des Wartens wäre für mich und die nörgelnde, meckernde und lautstark opponierende Meute auf dem Rücksitz zur Hölle geworden. Von den drei DVDs für das kindliche Unterhaltungsprogramm war unglücklicherweise eine Leer-Hülle dabei. Dieser Film steckt dann wohl noch im DVD-Player von Oma und Opa, etwa 250 km Luftlinie von uns entfernt. Dazu kommt, dass meine Tankanzeige im dunkelroten Bereich vor sich hin dümpelt und der Wagen dabei ist Trocken zu laufen. Zudem hätte ich nicht einmal Hilfe rufen können, denn die nette freundliche Stimme im Inneren meines Telefons verkündet gelassen, ich solle bitte mein Konto aufladen, um wieder telefonieren zu können...

Alles in Allem ganz normaler Wahnsinn auf einer Rückreise, der sich schnell in eine ausgewachsene Katastrophe hätte entwickeln können, wäre da nicht der nette Mensch im Radio gewesen, der mich in letzter (aber wirklich in aller letzter) Sekunde gewarnt hat.

Da ich mir seinen Namen nicht merken konnte, geht heute am internationalen Tag des Kusses ein wirklich dankbarer Luftkuss (mein Göttergatte möge es mir verzeihen) an alle netten aufmerksamen Stau-News-Überbringer!!!

Dienstag, 29. Juni 2010

Von Knopfaugen und Schokokeksen

"Ich habe nichts gemacht!" Meine Älteste kommt mit einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht auf mich zu, um mich ganz fest zu umarmen. Ihr unschuldiger Blick verwirrt mich.

ALARM! ALARM!


Ok. Da stimmt etwas nicht. Diese urplötzliche Anwandlung von Zuneigung kann nicht einfach so aus heiterem Himmel passieren, mitten am Tag und dann auch noch an einem Dienstag! Meine innere Eieruhr schrillt mit lautem Getöse und aus irgend einer Ecke in meinem Kopf ertönt die Sirene des Feueralarms mit ohrenbetäubendem Lärm.

Ich stürme los, hinein in das Kinderzimmerchaos, fluchend vor Schmerz, weil ich gerade barfuß auf ein Playmobil-Männchen getreten bin und in voller Absicht den Übeltäter auf frischer Tat zu erwischen. Leider sehe ich nur den Kleinsten hinter der Tür stehen, der mich mit seinen leuchtend blauen Engelsaugen anstrahlt und mit einem Schokokeks die Wand "verschönert".

"Da Kek!" Und dann hält er mir als Beweis seiner kreativen Kapriole den halb zerkrümelten Keks in seinem schokoverschmierten Patschhändchen vor die Nase.

Keine Spur vom Mittelkind. Dieser hat wohl die laut tösenden Alarmglocken seiner Mutter vernommen und sich vorsichtshalber unter dem Hochbett hinter einem riesigen Stapel aus Kissen und Plüschtieren versteckt. Zwei große graue Knopfaugen starren mich erwartungsvoll an.

Tief einatmen, laaang ausatmen...


Was ein Glück für die gummibehandschuhte Heinzelmännchen-Putzkollone, die an diesem Tag noch nicht im Kinderzimmer patrouliert hat. Ich werfe ein Blick auf die verschmierte Wand. "Warst du auch daran beteiligt?" frage ich das Mittelkind. Dieser schüttelt nur den Kopf: "Nein."

Auch ohne drei Semester Sozialpädagogik hätte ich darauf kommen können, dass diese Frage ja wohl dämlicher nicht hätte gestellt werden können. Natürlich war er nicht AKTIV daran beteiligt! Aber im Zweifel entscheidet die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten...

Achselzuckend gehe ich aus dem Kinderzimmer. Zum üblichen Chaos kommen nun halt noch ein paar Krümel und eine braun verschmierte Wand hinzu. Einen Vorteil hat das Ganze: Jetzt sieht keiner mehr die violetten Striche von der Wachsmalkreide, denn die fallen unter den Schokostrichen gar nicht mehr auf...

Dienstag, 22. Juni 2010

Der Klavierspielversuch

"Hey, Sie?"

Der Star-Pianist blickte irritiert hinter sich, aber der nackte Finger dieses rotgesichtigen hässlichen Mannes zeigte tatsächlich auf ihn. Mit hochgezogenen Brauen und fragendem Gesicht zeigte er auf sich selber und der schwitzende Mann nickte nervös.

"Ja, Sie meine ich! Darf ich auch mal?"

Der hässliche Mann, welcher in seinem schwarzen Anzug wie eine Fleischwurst auf Wanderschaft aussah, quälte sich aus seinem Sitz mit der Nummer 15. Er saß gleich in der ersten Reihe. Er saß oft da und lauschte den beruhigenden Tönen des Pianisten. Wenn er zärtlich,ja hingebungsvoll über die Tasten seines Klavieres streicht, dann plötzlich, wenn sich die Stimmung ändert, schwungvoll in die Tasten greift, die Schwarzen und die Weißen bearbeitet. Der Schweiz auf der Stirn des Pianisten rinnt langsam in großen, im Scheinwerferlich glänzenden Tropfen seinen Hals hinunter und versickert in dem makellos weißen Hemd, sein Blick dann wild, wütend, fast bestialisch verzogen zu einer Grimasse des Zornes und dann, so als wäre es nie anders gewesen, fällt er ab, schließt die Augen und träg sich und sein Publikum hinaus in eine stille harmonische Welt.

Er hatte ihn oft beobachtet, sog jeden Atemzug ein, merkte sich seinen Gesichtsausdruck und die Stellung seiner Finger, wusste, wie die Beine mit den Pedalen spielten und war sich seiner Sache ganz sicher.
Langsam, schwitzend und in freudiger Erwartung setzt er seinen Gang auf die Bühne fort. Das Publikum raunt ihm seinen Unmut zu, dennoch lässt er nicht ab von seinem Vorhaben und steuert selbstsicher auf den Pianisten zu. Dieser überlässt ihm perplex seinen Hocker und stellt sich daneben. Jetzt würde es gleich geschehen, die Töne würden schmeichelnd aus dem Instrument ströhmen und die Zuhörer in wohlige, vergnügliche Begeisterung versetzen. Jubelrufe würden laut, würden ihn hoch in den Himmel heben. Alles stimmte: Der gleiche Anzug, das Klavier, der Hocker und auch das Publikum stand ihm in lauernder Erwartungshaltung gegenüber.

Doch als er zu Spielen begann, suchten die Töne verzweifelt ihre richtige Lage, so dass sie wild durcheinander geworfen im Raum schwebten und den zuhörenden Ohren Schmerzen bereiteten.
Überzeugt von seinem Können stand er auf, der rotgesichtige häßliche Mann, verbeugte sich und erwartete den Jubel, der jedoch aus blieb und ihm der Boden unter den Füßen weg brach. Dabei fand er es selbst doch ganz gut, für jemanden, der noch nie an einem Klavier gesessen hat...

Dienstag, 25. Mai 2010

Eine Zugfahrt, die ist lustig!

Wenn Mutter eine Reise tut,
dann tut das ihrem Mute gut.
Vor allem mit drei kleinen Kindern,
wir wollen ja den Spaß nicht mindern.

Die Reise startet mit der Bahn,
da braucht man nicht alleine fahrn.
Das Publikum im Bahnabteil
ist für den Nachwuchs einwandfrei.

Den ersten Fragen nach dem Zug,
ob er denn Silber oder Rot,
folgen bald noch viele Fragen
über Straßen, die befahren,
über Felsen und auch Wiesen,
die sich gut bespielen ließen:
Fußball mit dem Brüderlein,
auf dem Feld dort, wäre fein.

Nein, nein, mein Kind, das ist ein Acker.
Und da draußen, sieh mal dort, schlängelt sich die Lenne fort.
„Mama, sind wir denn bald da?“ „Ich muss mal Pippi...“ Das war klar!
Gleich kommt der Bahnhof, schnell, ihr Süßen, passt mal auf,
dort ist es hektisch und auch laut.
„Hier war ich schon“, schreit nun mein Kind, „weiß ganz genau wo wir nun sind“.
Der Hauptbahnhof an dem wir stehen, wenn wir den Zug aus Cottbus sehen,
wo Oma winkend am Fenster sitzt und neben ihr ein Banker schwitzt.

Hier ist die Fahrt noch nicht zu Ende
und viele kleine Kinderhände
suchen nach Obst und nach Gebäck,
was ich verstaut im Handgepäck.
Denn wie heißt es: Unterwegs,
schmeckt noch viel besser so ein Keks.

Die Leute um uns herum lächeln still, erinnern sich vielleicht wie es war, als sie selbst als kekskrümeliger Dötz voller Stauen aus dem Fenster blickten und die Welt an ihnen vorbei flog.

Ein kleiner Blick spricht tausend Bände,
ein scheues Lächeln, ein breites Grinsen,
doch leider ist die Fahrt für uns zu Ende.

Sonntag, 16. Mai 2010

Die Neuste Ausgabe des "DOPPEL:PUNKT" Magazines ist da!

Ich bin begeistert: Mein Artikel ist auf Seite 4.

Man kann ihn also gar nicht verfehlen. Ein kleiner Einblick in die Iserlohner Kommunalpolitik...

Mittwoch, 5. Mai 2010

Der Tag beginnt mit einem Lächeln!

Mein Weltbild über den Dienstleistungssektor wurde heute leider in seinen Grundfesten aufs Bitterste erschüttert. So habe ich während meiner Ausbildung beim Amerikanischen Marktführer von „Frikadellenbrötchen und Fritten“ doch gelernt, dass ausschließlich der Kunde König ist und die billige Hilfskraft hinter dem Tresen nichts weiter zu tun hat, als zu lächeln und dem noch so besch... Gast alle seine verrückten Wünsche zu erfüllen.

Dieses dienstleistungsorientierte Handeln haben wir unseren Schülern und Studenten und allen anderen Mitarbeitern aus aller Herren Länder mit Händen und Füßen über Jahre hinweg eingetrichtert. Das sitzt! Und fällt mir persönlich umso mehr auf, wenn eine überforderte Bäckereifachverkäuferin, die eigentlich gar keine ist, dem Kunden vor mir 6 Frühstücksangebote verkaufen muss und nicht weiß, wo sie anfangen soll...

Mein Verkäuferinnenherz setzte ein Moment aus, als die nette blonde Dame den wartenden Kunden im Backwarengeschäft den Rücken zu kehrte und in seliger Ruhe dem Kaffee beim Durchlaufen zu guckte! Die Schlange wuchs und die Dame wirkt sichtlich angespannt.

Ich wagte einen, wie sich später herausstellte, unverschämten Vorstoß, als ich ihr zurief, dass ich doch eigentlich nur 6 Brötchen bräuchte. Selbst das Geld hatte ich abgezählt in der Hand! Wie konnte ich denn ahnen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, neben dem Bedienen der Kaffeemaschine eben schnell 6 Brötchen in eine Tüte zu packen!

„Sehe ich so aus, als hätte ich nichts zu tun?“ blaffte sie mich unfreundlich an. „Nein, das nicht, aber mein Kind sitzt im Auto!“ Mit erkennbarem Widerwillen packte sie mir die Brötchen in die Tüte und gab mir noch einen Ratschlag mit auf den Weg: „Man darf die Kinder nicht im Auto sitzen lassen, warum bringen sie den Kleinen denn nicht mit rein?“ (Verwirrt guck!) „Ich wollte nur eben 6 Brötchen kaufen und nicht den Vormittag hier bei ihnen verbringen!“

Für die Frechheit wäre ich bei uns im Restaurant vor den Chef zitiert worden oder hätte mir ein halbes Jahr Küchendienst eingehandelt...

Vielleicht hatte die arme Frau eine wirklich schlimme Kindheit. Vielleicht bekommt sie nur einen Hungerlohn für ihre Arbeit oder stand sie womöglich schon seit 6 Uhr morgens im Geschäft, ohne Raucher-Pause und ohne gewerkschaftliche Betriebsrats-Organisation? Die Arme! Ich war zu hart. Gleich morgen früh werde ich mich wieder von ihr beschimpfen lassen und dann mit einem Lächeln im Gesicht! Vielleicht lächelt sie ja dann zurück...

Donnerstag, 22. April 2010

Auf der Suche nach "Dem, der alles weiß"

Ein HOCH auf die häusliche Ordnung, auf die staubfreie Wohnungen und das aufgeräumte Kinderzimmer!!! Hip Hip HURRA! Hip Hip HURRA!

Wie ich darauf komme? Alles begann gestern nachmittag...

"Hat jemand mein Notizbuch gesehen?" Betretende Stille. Alle sahen sich ratlos an, guckten in die Luft oder ignorierten meine Frage einfach. Mein Mann machte wieder dieses Gesicht, mit dem er auszudrücken pflegt, dass er von mir nichts anderes erwartet hätte. Ich spar mir darauf lieber meinen Kommentar und die darauf beginnende Diskussionen über ständig stehen gelassene Kaffeetassen, verlegte Schlüsselbunde und verlorengegange Socken, Handschuhe und sonstige Gegenstände. Aber mein Notizbuch! Darauf habe ich bisher immer sehr gut aufgepasst, ist es doch mein "Büro auf Beinen". Eins davon habe ich immer in der Tasche und ein liegt im Badezimmer... (da habe ich immer die besten Ideen...) aber das Dritte, das fehlte mir an diesem Nachmittag.

Ich habe es "Den, der alles weiß" genannt, getreu nach dem Medizinmann aus der Lieblings-Trickfilmserie meiner Kinder. Dort standen alle relevanten Infos für meinen derzeitigen Job drin. Und jetzt war es weg.

Wie ein aufgescheuchtes Kanninchen lief ich durch die Wohnung. Suchte und suchte und suchte...
Das war wieder mal so ein Wink: Räum mal wieder auf! Guck mal wieder unter dem Sofa und schau auch hinter den Schränken nach... Ja, ja...

Und dann habe ich mich dran gemacht: Frühjahrsputz sozusagen. Alles blitzt, alles glänzt und sogar im Kinderzimmer habe ich alle Schränke, Kommoden und Kisten durchforstet. "Der, der alles weiß" war nicht mehr da. Selbst im Altpapier (nie hätte ich mein Büro ins Altpapier geworfen) habe ich nachgeschaut. Wer weiß, vielleicht die Kinder?! Na, die können was erleben!!!

Mein Blick fiel auf einen Stapel Bügelwäsche. Den hatte ich noch nicht erledigt. Na gut, kannst nicht arbeiten, also kannst auch die Bügelwäsche erledigen... So meine Gedanken!

Gut, dass ich es gemacht habe, sonst hätte ich wohl nächste Woche noch nach meinem "Büro auf Beinen" gesucht... Wie mag es wohl dahin gekommen sein?!

Montag, 19. April 2010

Kinder und andere Haustiere

Wenn Kinder endlich sprechen lernen, ist jeder Elternteil froh, dass die Zeit des ständigen Schreiens und Quäkens vorbei ist. Das erste "Mama" oder "Papa" vergisst man nicht so schnell und die ersten Sprechversuche der Kleinen bringen jeden Zuhörer in regelrechte Verzückung. Aber so sehr man sich nach sprechenden Kinder gesehnt hat, so sehr vermisst man in dieser Phase doch schon wieder die vorhergegangene!

Warum dies? Warum das? Mama? Mama! Maaaammmaaaa! Ach so, ich habe Neeeeiiiin in meiner Aufzählung vergessen, ich Schussel!

Neben diesen eher gewöhnlichen Worten, welche unsere Kinder in einer Rekordzeit gelernt haben, gehört aber noch ein anderes Vokabular zu unseren Favoriten. Es mag verwundern, doch neben Mama und Nein (warum Kinder als Erstes immer Nein! lernen, ist mir ein Rätsel ;-)) konnten drei Anderthalbjährige als nächstes Wort den Namen unseres Nachbarhundes aussprechen! Immer wenn dieser riesige Bär an unserer Fensterscheibe vorbei läuft, tönt es aus drei nicht unbedingt zarten Kinderkehlen: Buuuuster! Dann hämmern sie gegen die Glasscheibe und ich verdrück mich spontan in ein anderes Zimmer, damit es so aussieht, als würde ich die Szene nicht mitbekommen...

Leider haben die Nachbarn jetzt noch zwei Kaninchen vor dem nahenden Hungertod einer vorpubertären 12-jährigen gerettet, sehr zur Freude unserer Kinder! Ich bin mir nicht sicher, ob sie nicht lieber hätten verhungern wollen, jetzt, wo sie Bekanntschaft mit unserem tierliebenden Nachwuchs gemacht haben. Drücken, herzen und umarmen steht ganz oben auf der Liste der Nettigkeiten. Nur der Hund schein froh, denn dieser hat jetzt gelegentlich wieder seine Ruhe!!!

Freitag, 9. April 2010

Wir sind wieder da!!!

Leider ist er schon wieder zu Ende. Warum vergehen die Tage im Urlaub bloß immer so schnell und im trauten Heim dümpeln die Stunden eines verregneten Nachmittags nur so dahin? Ach, anderes Thema...

Toll war es, sonnig, wohlig warm und voller aufregender Entdeckungen. Wir waren am Tor zum Reinhardswald in dem gemütlichen Örtchen Helmarshausen. Unser Aufenthalt in der hiesigen Jugendherberge gestaltete sich sehr amüsant: Neben einer Kinder- und Jugendgruppe, dem "Star Camp" waren wir die einzigen Langzeitgäste.

Und ob man es glauben möchte oder nicht, das "Star Camp" verfolgt uns, denn wir hatten bereits letzen Sommer in Nürnberg das außerordentliche Vergnügen uns die Frühstücksbrötchen mit LaFee, Faiz Mangat von Bro'Sis, Tiffany Kirkland und den Junior Stars zu teilen.

Wer nun an den stets zu den ausgefallendsten Zeiten auftretenden Zufall glaubt, dem sei das gestattet! Ich nenne das Bestimmung. Aber wozu? Keiner meiner Kinder ist in der Lage auch nur halbwegs den Ton zu halten... Halt, unser Jüngster hat ein gewisses Talent dazu... nein, meine Gedanken driften schon wieder ab! Als wir am Ostermontag nichts ahnend auf den Parkplatz der Jungendherberge fuhren, leuchtete uns ein riesiges Banner mit dem "Star Camp"-Logo an. Und tatsächlich, da saßen sie alle beim Abendessen: Die großen und die kleinen Stars... (Ehrfurcht!!!)

War eine schöne Woche. Überall begleitete uns die Musik der Juniors, beim Treppen steigen, beim Essen, beim abendlichen Chillen in der untergehenden Sonne mit einem Glas Wein... Besonders angenehm allerdings, immer wenn wir unsere drei Kleinen die 4 Etagen hinauf "schleppen" mussten und dabei den nicht vorhandenen Aufzug schmerzlich vermissten!!!

Donnerstag, 1. April 2010

Die wundersame Reise der lustigen Karawane

Es ist soweit: Die Karawane zieht wieder gen Osten, wo sie bereits vom Sultan in seiner Residenz erwartet wird. Wider aller Vermutungen dürfen die Mitglieder der Karawane in den hochheiligen Mauern des Palastes für die Dauer ihres Aufenthaltes residieren.
Und schon setzt sie sich in Bewegung: Auf der Rückbank drei "Maul"tiere, am Steuer der Leithammeln und auf dem Beifahrersitz ein sichtlich gestresster Esel mit 5 Kg Büchern im Gepäck, wobei 4,5 kg davon höchstwahrscheinlich wieder den Weg ungelesen zurück nehmen werden.

Die Strecke ist lang und schweißtreibend. Über 600 Kilometer Sand, Wüste und Kiefernwälder. Je weiter es gen Osten geht, desto schlimmer wird es! Unsere einzige Chance, die Maultiere am hinteren Ende der Karawane bei Laune zu halten, ist die regelmäßige Einkehr bei einer "McOase", wo sie sich nach Herzenslust laben können.

Was uns allerdings im Palast des Sultans erwartet ist noch nicht sicher. Statt der österlichen Glückseligkeit werden wir uns bei "Brot und Spielen" die Unterkunft wahrlich verdienen müssen. (Na ja, Rinderrouladen und Kaffetrinken mit Tante Lisbet trifft die Sache erher!)

Wenn die Winde günstig stehen und der Sultan uns wohl gesonnen ist, werden wir uns wieder sehen. Sonst bleibt alles beim Alten. Schöne Osterferien!!!

Donnerstag, 18. März 2010

Sonne macht glücklich

Schönes Wetter macht glücklich.
Nach den endlosen Wochen der herunterhängenden Mundwinkel, der verstopften Nasen und der ungemütlich kalten Füße zieht nun endlich der Frühling ein.
Ich freue mich riesig und meine drei Rabauken noch viel mehr. Endlich kann ich die dicken Wintersachen in die Tiefen des Schrankes verbannen. Unglücklicherweise habe ich diese vor drei Wochen bereits gewaschen, ohne daran zu denken, dass wir ja erst März haben und ich noch einmal von einem Schneesturm überrascht werden könnte.

Doppelt hält halt besser. So landen die Dinger jetzt noch einmal in der Waschmaschine!
Aber um auf das glücklich machende Wetter zurück zu kommen: Ein Ruck geht durch unsere kleine beschauliche Stadt. Menschen trauen sich wieder auf die Straße, genussvoll strecken sie ihre Gesichter in die hell scheinende Sonne und genießen die Wärme der leuchtenden Strahlen.
Die Knospen sprießen und die ersten Frühjahrsblüher stecken ihre Köpfe aus der Erde, die noch vor einigen Tage mit Schnee bedeckt war. Schau ich jetzt des Nachts aus meinem Küchenfenster, bin ich jedesmal überrascht, dass die Landschaft mich nicht mehr in Weiß anstrahlt, sondern die grauen Steinwände der Häuser in der Nachbarschaft mit ihrem alltäglichen dreckigem Gesicht verschlafen und in unterschiedlichen Grautönen dreinblicken.

So wie die Knospen spießen, verwandelt sich auch meine schlechte Winterlaune in ein fröhlich frühlingsfrisches Jubeln. Endlich macht mir Fenster putzen wieder Spaß! Das lästige Staubwischen wird mit dem Putztuch in der Hand zu einem freudigen Tanz . Krümel sind nicht mehr meine Feinde, sondern werden ohne zu zögern vernichtet. Ein heruntergefallenes Glas mit klebrigem Saft verschwindet auf mysteriöse Weise im Aufnehmer, ohne dass die ganze Nachbarschaft etwas bemerken würde und die Zimmer, in denen noch vor wenigen Tagen der Putztroll lebte und jegliche Ordnung zu verhindern wusste, wurde kurzerhand hinaus in die Sonne gestellt, wo er jämmerlich verendete...

Aber was rede ich da? ES IST FRÜHLING! Und Sonne macht glücklich.

Donnerstag, 11. März 2010

Eine Probefahrt ist lustig

Nachdem unser kleiner, von Rost durchzogener und mehrfach ausgebeulter Opel Corsa eines Tages zur richtigen Zeit am richtigen Ort stand, nämlich vor der Ausfahrt des hiesigen Chef-Opel-Verkäufers B., bekamen wir für drei Tage ein Auto zum Probe fahren.

Warum B. in unseren alten Wagen hinein gefahren ist, kann sich heute keiner mehr richtig erklären und Mutmaßungen werden nicht angestellt. Fakt ist, es gab eine Einladung zur Probefahrt in einem Opel Vectra GTS V6 und das für ganze drei Tage, während unsere Rostlaube zum ortsansässigen Lackierer musste. Die ersten Testfahrten waren harmlos, beschränkten sie sich doch hauptsächlich auf den Weg zwischen Wohnung und Supermarkt. Später jedoch wurde jede Fahrt zur Probefahrt: Wie viel schafft der Wagen wohl auf freier Strecke mit seinen 270 PS? Zwischenzeitlich fühlte es sich an, wie eine Testfahrt auf dem Nürburgring. Dann folgte der Versuch, wie schnell der Vectra von Null auf Hundert kommt. Fazit: Sehr schnell. Mit glänzenden Augen stand mein Mann vor dem Auto, bot ihn mir zum Probe fahren an. Vorsichtige setzte ich mich in die Ledersitze und mit Respekt startete ich zu meiner ersten Testfahrt in einem solchen „Schiff“. Bin ja eher der vorsichtige Typ, solche Testfahrten sind nichts für mich. Aber es hat Spaß gemacht.

Telefonverkäufer am Werk

Ich sollte keine Werbetexte mehr schreiben! Warum? Es ereignete sich an einem schönen sonnigen Vormittag folgende Geschichte:

Gerade saß ich über einem Text zum Thema Handy, als plötzlich das Telefon klingelte und sich eine nette Dame mit sächsischem Akzent bei mir meldete. Ich kannte die Nummer nicht, ich hätte gar nicht dran gehen sollen! Sie erzählte einfach drauf los und beglückwünschte mich noch einmal zur Geburt meines fast 1,5 Jahre alten Sohnes und schwatzte mir zu allem Überfluss eine Zeitschrift auf. Und als Prämie (wer dabei noch an Zufall glaubt ist selber Schuld) gab es ein Handy! Ich, noch völlig verwirrt von meinem eigenen Text, der höchst ansprechend war(!), entschied mich dann für eine Kochzeitschrift. Ich weiß nicht mal wie das Ding hieß, aber es war am billigsten.

Ja, es war mal wieder einer dieser Tage, an denen ich mit meinen Gedanken mal wieder nicht bei der Sache war. Ein gelungener Tag für jeden Telefonterroristen. Bei uns rufen oft solche Leute an, meist wollen sie meinen Mann sprechen. Damit habe ich dann nichts zu tun, die muss mein Mann dann abwimmeln.

Manchmal lege ich einfach auf. Dann ist es mir auch egal was ich wann, wo und wie gewonnen habe. Aber wenn dann so eine nette Dame mit altheimatlichem Akzent am Telefon ist, dann bin ich manchmal etwas befangen. So sind wir kurz vor Weihnachten zu einer beträchtlichen Anzahl an Weinflaschen gekommen. Natürlich ohne Zeitschriftenabo, aber mit der Garantie eines erneuten Anrufes kurz vor den wichtigsten Feiertagen!!!

Was soll ich sagen? Ich bin schuldig. Vielleicht ist es besser, nicht mehr ans Telefon zu gehen. Ich werde es mir merken, wenigsten in den nächsten 6 Monaten, denn so lang geht mein tolles Probeabo für die Kochzeitschrift, von der ich erst am Tag der Lieferung weiß, wie sie nun heißt. Aber ich setze dann ein paar Rezepte rein...

Dienstag, 9. März 2010

Darauf habe ich jetzt noch gewartet

Weil Mütter von Kleinkindern oft vor Langeweile nicht wissen, wie sie einen sonnigen, wunderschönen Nachmittag herum bringen sollen, habe ich hier einen Vorschlag aller erster Güte:

Unser Mittelkind ist bisher in den meisten Krankenhäusern der näheren Umgebung und in den diversen Arztpraxen mit der dortigen Belegschaft per Du. Außer natürlich in unserem "hauseigenen" Krankenhaus, welches Luftlinie 20 Meter entfernt steht. Als wir damals in unsere Wohnung einzogen, fanden wir es ungemein praktisch direkt oberhalb der Notaufnahme zu wohnen. Man kann ja nie wissen!!!

Aller guten Dinge sind drei

Glücklicherweise mussten wir diesen hauseigenen Service bisher erst zweimal in Anspruch nehmen. Beim ersten Mal verweilte der Mittelfinger meines Göttergatten einen Moment zu lange zwischen Tür und Türrahmen, als ein fröhlich glucksendes Kleinkind diese mit Karacho zu schmiss! (Aua...)

Beim zweiten Mal verwechselte unsere Große beim Kartoffeln schälen die braune Kartoffel mit ihrem dicken Daumen.

Und nun zum Dritten: Unser Mittelkind, immer zu Späßen aufgelegt und mit einer blühenden Phantasie ausgestattet, kam auf die glorreiche Idee, das Geschmeide seiner Schwester in diverse Körperöffnungen zu stecken. Was kann man wohl daraus ableiten? Eine große Zukunft als Diamantenschmuggler wohl nicht, denn mit dem blanken Entsetzen in den Augen kam er zu mir, mit der Bitte "das da wieder raus" zu holen. Mein medizinisches Geschick hält sich in Grenzen und so habe ich beschlossen mit Kind und Kegel in unsere "hauseigene" Notaufnahme zu gehen. Keine fünf Minuten entfernt. Wie lange kann das wohl dauern?

Operation "Perle aus dem Ohr" kann beginnen

Es dauerte ewig und als wir dann endlich an der Reihe waren, meinte der behandelnde "Assistenzarzt" er könne die kleine Perle zwar sehen (!) aber nicht heraus holen. Dafür habe er nicht das richtige Werkzeug. Warum ich nicht sofort zum HNO gegangen wäre. Er gab mir einen Brief und wünschte gute Besserung. Ob so eine Perle von allein wieder herauskommt? Der Arzt verneinte kopfschüttelnd und ging zum nächsten Patienten. Und so machten wir vier uns auf zum HNO-Arzt und warteten dort auch noch mal eine Stunde in einem heißen, verschwitzten stickigen Raum, bis die dusslige Perle aus dem Ohr endlich befreit war.

Was für ein Nachmittag. Ich hoffe, alle Körperöffnungen bleiben nun verschont von irgendwelchen Experimenten. Aber falls so etwas noch einmal passiert, geh ich sofort zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Die in der Notaufnahme haben doch keine Ahnung!!!

Schreibt mir eure Meinung